Andere Kultur

Künstler und Leser der Vierteljahreszeitschrift Melodie & Rhythmus kämpfen für Neustart
Aus Pressemitteilung des Verlags „8. Mai“
|    Ausgabe vom 8. Juni 2018

Die Kulturzeitschrift „Melodie & Rhythmus“ war eines der beliebtesten Druckerzeugnisse der DDR. In den letzten Jahren hat sie der Verlag 8. Mai GmbH, in dem auch die Tageszeitung „junge Welt“ erscheint, zum „Magazin für Gegenkultur“ weiterentwickelt. Anfang Januar 2018 teilte der Verlag allerdings mit, dass die Zeitschrift vor allem aus ökonomischen Gründen eingestellt werden müsse. Weil sich viele Kulturschaffende sowie Leserinnen und Leser damit offensichtlich nicht abfinden wollen und sich engagieren, besteht nun die Chance, dass die Produktion wieder aufgenommen wird. Entschieden wird das zum Ende dieses Monats.
Eine wichtige Voraussetzung für das weitere Erscheinen von „Melodie & Rhythmus“ bildet sich gerade heraus: Ein internationales Netzwerk progressiver Künstlerinnen und Künstler, die sich als Teil einer Gegenkultur verstehen. Und die auch weiterhin eine Zeitschrift wollen, die sich nicht kapitalistischen Marktgesetzen unterwerfen will. „Das Interesse linker Kulturschaffender an so einem Projekt ist erstaunlich groß, daran kann weiter gearbeitet werden“, meint Susann Witt-Stahl, Chefredakteurin des Projekts. Allerdings müsse die Zeitschrift auch ökonomisch auf eine stabilere Grundlage gestellt werden. So sollen mittelfristig über 1 700 neue Abonnenten gewonnen werden. Damit konkrete Vorbereitungen für einen Neustart aufgenommen werden können, werden bis zum 30. Juni mindestens 1 000 neue Abos gebraucht.
Mittlerweile spricht allerdings einiges dafür, dass die Zeitschrift wieder erscheinen wird. Verlagsleiter Andreas Hüllinghorst teilt mit, dass bis zum 1. Juni bereits 719 Abonnements bestellt wurden. Bleiben also knapp 30 Tage, um die noch fehlenden 281 Bestellungen zu organisieren. In dieser Zeit seien aber so viele Aktivitäten geplant, dass der Verlag und die Unterstützer des Projektes davon überzeugt sind, diese Marke zu knacken. So werden viele Straßenfeste genutzt, um für das Projekt zu werben: Aktivisten sind unter anderem auf dem Fest der Linken am 23. Juni in Berlin und am 30. Juni auf dem Hamburger Meth­fesselfest sowie dem Sommerfest der DKP Berlin präsent. Eine Unterstützergruppe organisiert am 20. Juni in der Berliner jW-Ladengalerie eine Weinverkostung und am 22. Juni im Berliner Kulturzentrum Wabe ein Soli-Konzert, mit dem Erlös sollen Abonnements für soziale und kulturelle Einrichtungen finanziert werden. Viele Künstler machen bei ihren Konzerten auf das Projekt aufmerksam. Auch in verschiedenen sozialen Medien sind Unterstützer aktiv.
Selbst mit 1000 zusätzlichen Abonnements bis zum 30. Juni sind allerdings noch nicht alle Hürden genommen. Zwar würde dann umgehend mit der Bildung einer neuen Redaktion gestartet, ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Aufgabe. Aber auch wenn sich die Bedingungen für die journalistische Arbeit durch eine erfolgreiche Kampagne verbessern ließen, komfortabel wären sie auch dann nicht. Bis zum Jahresende würden weitere 400 Abonnements gebraucht werden. Notwendig ist zudem ein ausreichendes Anzeigenaufkommen, erst dann wäre die nächste Ausgabe von „Melodie & Rhythmus“ zum Jahresende gesichert, so Peter Borak, stellvertretender Geschäftsführer des Verlages. Aber auch er zeigt sich optimistisch: „In Zeiten des rechten Vormarsches in Politik und Kultur wird ein linkes Magazin für Gegenkultur dringender denn je benötigt. Wir freuen uns darüber, dass nicht nur wir, sondern auch unsere Leserinnen und Leser und viele Kulturschaffende das so sehen“, so Borak.


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Leserbrief zu Artikel »Andere Kultur«, UZ vom 8. Juni 2018





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