Folter und Luftangriffe

Vereinigte Arabische Emirate verfolgen eigene Ziele im Jemen
Von Manfred Ziegler
|    Ausgabe vom 20. Juli 2018
Den Hafen von Aden möchten sich die Vereinigten Arabischen Emirate gern unter den Nagel reißen. (Foto: gemeinfrei)
Den Hafen von Aden möchten sich die Vereinigten Arabischen Emirate gern unter den Nagel reißen. (Foto: gemeinfrei)

Der Krieg um den Jemen geht weiter. Einer der Brennpunkte ist die Hafenstadt Hodeidah. Meldungen, die Truppen der Allianz Saudi-Arabiens hätten den Flughafen der Stadt erobert, erwiesen sich bald als voreilig und für eine Weile ruhten die Kämpfe hier.
Die Versorgung der Bevölkerung in den Gebieten, die unter Kontrolle der Ansar Allah stehen, ist ohne den Hafen von Hodeidah nicht möglich. Zurzeit ist der Hafen offen und Hilfslieferungen können ihre Ziele weiter erreichen. Sie werden dabei lediglich von wiederholten Kontrollen an Checkpoints in den Straßen von Hodeidah behindert.
Noch immer fliehen Einwohner aus der Stadt – nach Angaben der UN-Organisation zur Koordinierung humanitärer Aktionen (OCHA) sind seit dem 1. Juni 120000 Menschen geflohen, 80000 von ihnen wurden mit Hilfslieferungen versorgt.
Jetzt ist die relative Ruhe offenbar wieder zu Ende. Luftangriffe auf Ziele in der Nähe des Flughafens der Stadt und auf die Straße zur Hauptstadt Sanaa bereiten womöglich eine erneute Offensive der Allianz Saudi-Arabiens gegen die Stadt vor.
Besonders aktiv sind militärische Einheiten, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) unterstützt werden. Sie versuchen, das Umland der Stadt Hodeidah zu besetzten, um die Ansar Allah von jedem Nachschub abzuschneiden.
Die VAE sind Teil des saudischen Bündnisses, verfolgen jedoch ihre eigenen Interessen und haben ihre eigenen Verbündeten. Sie unterstützen nicht den „international anerkannten“ Präsidenten Hadi, sondern arbeiten mit Gruppen zusammen, die für eine Abspaltung des Südens eintreten. Für die VAE ist die Kontrolle über den Hafen von Aden die Motivation, das Blutvergießen fortzusetzen. Aden ist für sie eine natürliche Erweiterung zum Hafen von Dubai, eine Erweiterung, die ihnen einfachen Zugang zum Indischen Ozean ermöglicht und das Nadelöhr der Straße von Hormus umgeht.
Die VAE unterhalten in Aden und auf einem Militärflugplatz weiter im Osten eigene geheime Foltergefängnisse. Immer wieder wurden unter dem Vorwand des Terrorismus Kritiker der saudischen Militärintervention und der Sicherheitskräfte verhaftet, darunter Journalisten und Unterstützer der Islah-Partei, die den Moslembrüdern angehört. Die Verhafteten werden unmittelbar vom Arbeitsplatz oder auch mitten in der Nacht von vermummten Bewaffneten verschleppt. Angehörige und Verhaftete gaben erschreckende Berichte über Schläge, Elektroschocks und sexuelle Gewalt.
Die Sicherheitskräfte, die von den VAE aufgebaut wurden, sind so mächtig, dass die Geheimgefängnisse von der offiziellen Regierung nicht kontrolliert werden können.
Amnesty International brachte die Situation in den Geheimgefängnissen im Jemen in einem nüchternen Bericht ans Licht. Die zuständige Amnesty-Direktorin Tirana Hassan betonte, dass die Partner der VAE im Kampf gegen den Terrorismus, darunter auch die USA, ebenfalls Rechenschaft ablegen müssten. So müsste auch die Rolle von US-Beratern bei der Folter von Gefangenen untersucht werden.
Die VAE gehören zu den wichtigsten Käufern von US-Waffen. Folter und Luftangriffe sind für den Westen kein Grund, die Unterstützung für Saudi-Arabien oder seine Verbündeten einzustellen. Schließlich sind das Mittel, die sie selbst einsetzen.
Der Krieg um den Jemen geht weiter.


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