Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 3. August 2018

Hilflose Politik
Kulturstaatsministerin Monika Grütters will die Stiftung Preußischer Kulturbesitz schlanker und beweglicher machen. Mit diesem Marketing-Sprech als Vorgabe soll der Deutsche Wissenschaftsrat die Stiftung in den kommenden zwei Jahren kritisch unter die Lupe nehmen. Aufsichts- und Finanzstrukturen sowie interne Abläufe, vor allem aber auch der Publikumsbezug, müssten hinterfragt werden. Die CDU-Politikerin ist Aufsichtsratsvorsitzende der Stiftung. Mit einem Jahresetat von 363 Millionen Euro ist sie eine der größten Kultureinrichtungen der Welt. Selbstkritik gibt es in der Preußen-Stiftung fast nie. Immer sind es andere, die verantwortlich waren: Geizige Bundesländer, unfähige Architekten oder Berliner Stadtplaner, Bundesbauverwaltungen und Berater. Öffentliche Kritik wird oft nicht einmal registriert, wie die tendenziösen Pressezusammenstellungen etwa zum Humboldt-Forum deutlich machen. Die Pläne für das mitten auf dem Kulturforum geplante Museum des 20. Jahrhunderts sind in der Fachkritik durchgefallen.
Rauchs Märchen
Mit der Neuinszenierung der Richard-Wagner-Oper „Lohengrin“ haben am Mittwoch letzter Woche die Bayreuther Festspiele begonnen. Für alle, die weder eine Karte haben wollten oder konnten, gab es am Freitag letzter Woche eine Fernsehausstrahlung. Die Neuauflage dieser Wagner-Oper wurde inszeniert vom israelisch-US-amerikanischen Regisseur Yuval Sharon, die musikalische Leitung hatte Christian Thielemann inne. Besonders in den Blick rückten bei dieser Eröffnung auch das Bühnenbild und die Kostüme, denn niemand Geringeres als das sächsische Künstlerpaar Neo Rauch und Rosa Loy hat sie gestaltet, aber es war enttäuschend. Wenn man „Lohengrin“ als romantische Oper bezeichnet, ist es jetzt eine neo-romantische. Man erlebt ein Märchen und das ist ganz schön, aber mehr auch nicht. Und dieses „Mehr auch nicht“ liegt zum einen eben am Bühnenbild, aber zum anderen auch an der Regie. Regisseur Yuval Sharon kann man dabei aber nur zum Teil dafür verantwortlich machen, denn er hat die Arbeit nach der Absage von Alvis Hermanis nur weiterführen, aber nicht selber konzipieren können. So wirkt die Aufführung sehr statuarisch, es wird wirklich viel rumgestanden. Das Publikum, so der Eindruck am Ende des Fernsehabends, hat trotzdem fast nur Beifall gespendet, man mag eben Märchen und es stört niemanden, es ist Theater-Museum von vor 50 Jahren.
Dreister Versuch
Die CSU im Münchner Stadtrat wollte den städtischen Theatern verbieten, an der Demonstration „#ausgehetzt“ gegen einen Rechtsruck in Politik und Gesellschaft teilzunehmen. Die CSU hat Theaterschaffende derzeit sowieso auf dem Kieker. Der Chef der Münchner Kammerspiele, Matthias Lilienthal, wehrt sich. „Die CSU befindet sich in einem politischen Änderungsprozess und will sich rechts von der AfD verankern. Die CSU in Bayern versucht, eine Orbánisierung der deutschen Politik herbeizuführen“, sagte der Intendant. Obwohl es in Strömen regnete, haben sich mehr als 40 000 Menschen auf dem Königsplatz in München versammelt und unter dem Motto „#ausgehetzt – Gemeinsam gegen die Politik der Angst!“ demonstriert. Der Intendant des Münchner Volkstheaters, Christian Stückl, hat auf der Demonstration eine Rede gehalten, in der er die Solidarität der Münchner Theater mit der Veranstaltung bekräftigte. „Ich merke, wie sich bestimmte Wörter in meiner Umgebung verbreiten, wie „Asyltourismus“. Ich denke, man sollte diesen Menschen (den Asylsuchenden) mit Anstand gegenübertreten. Von daher sage ich „ja“ zum Anstand. Aber das gilt auch für die CSU“, so Stückl. Das Münchner Volkstheater setze sich schon seit längerer Zeit für die Rechte Geflüchteter ein, unterstreicht Intendant Stückl. „Und plötzlich im Zusammenhang mit der Landtagswahl wird die  SU nervös.“


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Leserbrief zu Artikel »Kultursplitter«, UZ vom 3. August 2018





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