Enttäuschung

Von Willi Gerns, Bremen
|    Ausgabe vom 17. August 2018

Die in der UZ vom 20. Juli veröffentlichte Rezension der letzten Gespräche mit Hans Heinz Holz findet meine volle Unterstützung. Das gilt auch für die kritischen Anmerkungen zum letzten Abschnitt: „Niederlage und Neuanfang – Organisationsarbeit in der DKP“.
Zu Recht spricht Nina Hager davon, dass dieser Abschnitt manchen überraschen und vielleicht auch sehr enttäuschen wird. Zu den Enttäuschten gehöre auch ich. Das betrifft vor allem Hans Heinz‘ Aussagen über die KPD Ende der 1960er Jahre. Er sagt: „Ich bin der Überzeugung, dass man unter den Bedingungen des Jahres 1968/69/70 (…) mit genügender Härte die KPD hätte wieder installieren können.“ Oder weiter: „Wenn die alte KPD mit alten Kadern, die noch KZ-Erfahrung und alles hatten, angefangen hätte, illegale Strukturen aufzubauen, Parteigruppen, die hätten nicht besonders aktiv sein müssen als Partei, aber sie hätten als Organisation Zusammenhalt haben müssen, das, denke ich, wäre gegangen.“
Das alles impliziert, dass in seinem Verständnis die KPD als kämpfende kommunistische Partei zu dieser Zeit nicht mehr existierte. Was „wieder installiert“ werden muss, ist nicht mehr da oder zumindest nicht mehr funktionsfähig. Und für eine verbotene Partei, deren illegale Strukturen erst wieder aufgebaut werden sollen, gilt das ebenso.
Nur, mit der real existierenden KPD in diesen Jahren hat das absolut nichts zu tun. Die KPD existierte und kämpfte. Es gab der Illegalität angepasste Strukturen von der Basis bis zur zentralen Führung. Wo es dem Gegner gelang diese zu zerschlagen, haben wir sie wieder aufgebaut. Zugleich ist es uns gelungen, auf sie gestützt die Spielräume für die Tätigkeit auf legalen Feldern mehr und mehr zu erweitern.
Dennoch standen durch das KPD-Verbot gesetzte Schranken natürlich auch weiterhin der effektiven Nutzung der neuen Möglichkeiten im Wege, die sich mit dem Aufbruch antikapitalistischer Stimmungen und dem damit verbundenem wachsenden Interesse am Marxismus in beachtlichen Teilen der jungen Generation herausbildeten. Zugleich zeigte sich, dass die maßgeblichen Gruppen der Herrschenden unter keinen Umständen bereit waren, das Schwert des KPD-Verbots gegen die Kommunisten aus der Hand zu geben und dass die Kräfte, die sie dazu hätten zwingen können, nicht ausreichten. Darum durften die Chancen zur Neukonstituierung der legalen DKP nicht verpasst werden.


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