Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 31. August 2018

Man möchte sich freuen
Das einzige Staatstheater Brandenburgs wird weiter aufgewertet. Das Staatstheater Cottbus arbeitet künftig als Vierspartenhaus. Zu den bisherigen drei Fächern Oper, Schauspiel und Konzert kommt das Ballett als eigene Sparte hinzu, wie die Brandenburgische Kulturstiftung Cottbus-Frankfurt (Oder) mitteilte. Die Stiftung steht unter der Aufsicht der Landesregierung und meint, da die Einnahmen über den Kartenverkauf in der vergangenen Spielzeit im Vergleich zu der vorigen kräftig angestiegen seien, könne man diesen Schritt wagen. In den letzten Jahren taumelte das Staatstheater von einer Krise in die andere, Intendanten, Spielleiter und Musikdirektoren wechselten schon mal von einer Saison zur nächsten. Zuletzt war Kritik aus dem Ensemble am Führungsstil des Generalmusikdirektors Evan Alexis Christ immer lauter geworden. Die Krise führte dazu, dass Intendant Martin Schüler seinen Posten räumen musste, Christ und Schüler erhielten Kündigungen. Beide wehren sich juristisch dagegen, die Fälle sind noch nicht abgeschlossen. Es wird sicherlich einiges kosten und auch neue Posteninhaber lassen sich die Schleudersitze gut bezahlen. Ob dabei auch noch ruhig und intensiv an einem Vierspartenprogramm gearbeitet werden kann, ist fraglich, da Brandenburg klamme Kassen hat, kommt eher der „Sparkommissar“.

Unterschlagung
Die Feuilletons in diesen Tagen ehren durch die Bank Leonard Bernstein, der seinen 100. Geburtstag hätte feiern können, wenn er nicht 1990 gestorben wäre. Von „genial“ wird geschrieben, er sei sowohl als Komponist, als Pianist und als Dirigent nicht nur herausragend gewesen, sondern eben ein Genie. Anstatt auf Talent zu verweisen, auf Arbeit und das ständige Bemühen um weitere Verbesserung seines Tuns müssen es unbedingt Superlative sein. Dabei bleibt im Repertoire der Musiktheater sein Musical „West Side Story“ hoffentlich noch lange, seine Sinfonien, Kammermusikstücke und Filmmusiken kann man zwar auf CDs hören, aber nicht mehr im Konzertsaal. Gerne unterschlagen wird bei den heutigen Lobeshymnen, dass er in den 1980er Jahren mehrfach in der DDR Konzerte dirigierte, den Saal des Ostberliner Schauspielhauses lobte er in höchsten Tönen, freute sich über das sachverständige Publikum und wunderte sich über die niedrigen Eintrittspreise. Dass er von der Staatsführung den „Stern der Völkerfreundschaft“ erhielt, findet ebenfalls keine Erwähnung, schließlich muss möglichst alles an DDR-Geschichte getilgt werden. Dass er 1989 meinte, Beethovens 9. Sinfonie aus Freude über den „Mauerfall“ in Berlin dirigieren zu müssen, mag dem Enthusiasmus und seiner US-amerikanischen Sichtweise geschuldet sein.

Budenzauber
Die Ruhrbarone versuchten im 19. Jahrhundert durch die Förderung von „Trinkhallen“, an denen Mineralwasser verkauft werden sollte, den störenden Alkoholkonsum ihrer Arbeiter einzudämmen. Hat nicht funktioniert, die „Büdchen“ verkauften das, was verlangt wurde. 18 000 Kioske gibt es groben Schätzungen zufolge in der Metropole Ruhr. Sie alle trotzen tapfer der Konkurrenz der Supermärkte und Tankstellenshops, obwohl es oft teurer bei ihnen ist. 2016 wurde zum ersten Mal die Budenkultur gefeiert, diesmal waren es rund 200 Kioske im Ruhrgebiet, die mitgemacht haben. An 50 Buden gab es ein von Ruhr-Tourismus organisiertes und finanziertes Kulturprogramm. 250 Künstler hatten ihre Teilnahme zugesagt. Weitere rund 150 Buden beteiligten sich mit eigenen Programmen an dem Event. Eine Premiere waren fünf sogenannte Filmbuden. Besucher konnten dort alte, private Filmaufnahmen von Menschen aus dem Revier anschauen. Dafür hatten Bewohner fast 1000 Streifen zur Verfügung gestellt. Weitere Programmkategorien waren Musik, Kleinkunst, Fußball und „gemischte Tüte“.


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