Schlechte Beispiele

Von Bernd Müller, per E-Mail
|    Ausgabe vom 31. August 2018

Man sollte nicht in den Glauben verfallen, dass ein kostenloser ÖPNV automatisch einen Beitrag gegen Luftverschmutzung und zur Senkung des Kohlendioxidausstoßes leistet. Es liegen seit Jahren Erfahrungswerte aus dem belgischen Hasselt oder dem brandenburgischen Templin vor. In beiden Städten hatte der kostenlose ÖPNV zwar dazu geführt, dass die Fahrgastzahlen stiegen. Sie stiegen aber zu Lasten des Rad- und Fußverkehrs. Bei einer Umfrage in Templin gaben mehr als 35 Prozent der Befragten an, weniger zu Fuß zu gehen, rund 30 Prozent verzichteten auf das Fahrrad und lediglich zehn Prozent gaben an, auf Autofahrten zu verzichten. In Hasselt stiegen die Fahrgastzahlen um rund 1 600 Prozent und überforderten schnell die kommunalen Finanzen. Immerhin mussten die Taktzahlen erhöht werden, was mehr Personal und hohe Anschaffungskosten für Bahnen und Busse nach sich zog. Am Ende musste der kostenlose ÖPNV wieder abgeschafft werden. Tallinn ist ebenfalls ein schlechtes Beispiel für den Erfolg des kostenfreien ÖPNV: Verkehrswissenschaftler der Uni Delft in den Niederlanden haben das Konzept von Tallinn analysiert und stellen ebenfalls fest: Autofahrer verzichten nicht auf das Auto, der Schadstoffausstoß ist nicht geringer geworden und mehr Fußgänger steigen in die Busse und Bahnen.


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