Warum wir solidarisch sind

Günter Pohl zur internationalen Solidarität
|    Ausgabe vom 7. September 2018

Die Deutsche Kommunistische Partei gehört hierzulande nicht zu den Parteien, denen mediale Aufmerksamkeit geschenkt wird. Da würde man sich manchmal sogar unfreundliche Publizität wünschen, denn dass „bad news“ sich perspektivisch als vorteilhaft erweisen können, sieht man ja an der kaum als kritische Journalistenpflicht zu bemäntelnden Fürsorge für AfD und Co. durch diverse Medien. Aber kommunistische Politik wird per se verschwiegen, auch auf die Gefahr hin, dass Kritik an bestehenden Verhältnissen nur von rechts her Eingang in die Medien findet und die bürgerliche Presse dieses Vorgehen dereinst als Fehler einzuordnen haben könnte.
Angesichts dessen mutet es schon als etwas aus der Zeit gefallen an, wenn die DKP in der UZ oder auf der Homepage und auf „news.dkp.de“ Erklärungen zur Solidarität mit anderen Parteien, Staaten und Bewegungen abgibt. Ist das nicht vertane Zeit? Wo liegt Swasiland? Was interessiert uns Südkorea oder Paraguay? Irgendein Menschenrechtsverteidiger oder Gewerkschafter aus Pakistan? Den Kommunisten im Donbass schreiben, wenn der Präsident der Volksrepublik ermordet wird?
Deren Kämpfe sind anders als unsere Kämpfe und oft gefährlicher, aber trotzdem (oder deshalb) mutiger geführt. Auch unser Spielraum kann sich ändern, wenn wir die ohnehin bescheidenen Kampfbedingungen nicht zu verteidigen wissen. Schon deshalb müssen wir hier und jetzt Flagge zeigen, auch weil die Gegner unserer Bruderparteien von unseren Klassengegnern unterstützt werden – medial, organisatorisch, politisch und oft auch logistisch und finanziell. Es ist manchmal kaum zu begreifen, wenn wir gesagt bekommen: „Dieser Brief hat uns so viel bedeutet, weil wir sehen, dass man irgendwo an uns denkt und uns unterstützt – im Rahmen von bescheidenen, aber solidarisch genutzten Möglichkeiten.“ Wenn DKP-Mitglieder in die Türkei, Kolumbien, den Donbass oder die Westsahara fahren und wenn man als einziger Vertreter aus einem EU-Staat an einer Versammlung teilnimmt und vermittelt bekommt, dass sich die Anwesenden dann gegen Anschläge sicherer fühlen.
Der Klassenkampf ist von der Form her national, aber in der Sache international. Im Namen der DKP haben sich in den 50 Jahren ihrer Existenz viele Mitglieder für die internationale Solidarität engagiert. Berndt Koberstein hat dabei im Juli 1986 in Nicaragua sein Leben gelassen, andere Jahre ihrer Zeit und ihrer Gesundheit. Wirklicher Verlust wäre aber, wenn dabei die Überzeugung abhanden kommt. Denn die ist die Antwort auf die Fragen nach dem Sinn.


  Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (leserbriefe@unsere-zeit.de):

Leserbrief zu Artikel »Warum wir solidarisch sind«, UZ vom 7. September 2018





Wir bitten darum, uns kurze Leserzuschriften zuzusenden. Sie sollten unter der Länge von 1800 Zeichen bleiben. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen und kann nicht versprechen, dass jeder Leserbrief beantwortet oder veröffentlicht wird. Anonyme Leserzuschriften werden in der Regel nicht veröffentlicht.