Hausbesetzung der anderen Art

Die Casa Cuba – ein Haus der Solidarität
Von Melina Deymann
|    Ausgabe vom 14. September 2018
Ramón Ignacio Ripoll Díaz, Botschafter der Republik Kuba und Petra Wegener, Vorsitzende der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba. (Foto: Tom Brenner)
Ramón Ignacio Ripoll Díaz, Botschafter der Republik Kuba und Petra Wegener, Vorsitzende der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba. (Foto: Tom Brenner)

„Das Pressefest ist ein Fest der internationalen Solidarität und der Solidarität mit dem sozialistischen Kuba!“ hielt Patrik Köbele, Vorsitzender der DKP in seiner Eröffnung der Casa Cuba fest. „Mit dem Entwurf für die neue Verfassung verteidigt und schützt Kuba die Menschenrechte, es wird eine der menschlichsten und besten Verfassungen in der Geschichte der Menschheit sein. Herzlichen Glückwunsch an das kubanische Volk!“
Yenisey Cruz, Vorsitzende des Kommunistischen Jugendverbands Kubas (UJC) in der Provinz Artemisa und Mitglied der Nationalversammlung, wollte es sich nicht nehmen lassen, am Ende ihrer Deutschland-Reise „an dieser tollen Veranstaltung teilzunehmen und die Grüße von elf Millionen Kubanern zu überbringen.“
Mit Cocktails und den Klängen der Compania Bataclan wurde aus der Eröffnung schnell ein Fest.
Am Samstag gab es die volle Packung Inhalte und Party. Volker Hermsdorf stellte seine beiden Biografien über Raúl und Fidel Castro vor und zeichnete auf diesem Weg auch manches Charakteristikum der kubanischen Revolution nach. Er entwickelte von zwei Seiten eine Antwort auf die Frage nach einem „Kuba nach den Castros“, indem er die besondere Rolle und den besonderen Beitrag beider hervorhob und gleichzeitig ihr Handeln auf die konkreten Gegebenheiten und getroffenen Analysen zurückführte.
Gute Stimmung und begeisterten Applaus gab es für die Genossinnen des Frauenarbeitskreises der DKP Essen, die einen Auszug aus ihrem diesjährigen Programm zum Internationalen Frauentag zeigten. Sie stellten unter dem Titel „Rebellinnen“ Frauen vor, die dazu beigetragen haben, die Welt zu verändern.
Ramón Ignacio Ripoll Díaz, Botschafter der Republik Kuba, sprach unter dem Titel „Kuba vor dem 60. Jahrestag der Revolution“ über die Entwicklungen in seinem Land und stellte sich nach einem kurzen Vortrag den Fragen des Publikums.
Für ein volles Haus sorgten auch der ehemalige Schweizer Botschafter in Venezuela, Walter Suter, Natalie Benelli, Europakorrespondentin des New Yorker Women‘s Press Collective, und Carolus Wimmer, Internationaler Sekretär der Kommunistischen Partei Venezuelas. Mit ihnen diskutierte André Scheer, Auslandschef der „jungen Welt“ und Mitglied in der Internationalen Kommission der DKP, über Demokratie und Subversion in Venezuela. Nachdem die kubanische Musikerin Nicky Márquez mit ihrem Trio „Y son a 3“ die Besucherinnen und Besucher des Zeltes zum Tanzen gebracht hat, fand Konstantin Wecker nach der Beendigung seines Konzertes auf der Hauptbühne den Weg in die Casa Cuba. Die beiden Musiker fanden sich und begeisterten mit einer spontanen gemeinsamen Session bis tief in die Nacht.
„Ein Verbrechen an der Menschheit“, so fasste die Tropenmedizinerin Regina Mertens die Auswirkungen der Blockade gegen Kuba zusammen. Sie diskutierte mit Klaus Piel von der Humanitären Cuba-Hilfe und Samuel Wanitsch von der Vereinigung Schweiz – Kuba über den Beitrag Kubas beim Sieg gegen den Ebola-Virus und die drei stellten fest, dass nicht nur die Kubanerinnen und Kubaner unter der Blockade leiden – sie verhindert auch den Export von in Kuba entwickelten Medikamenten.
Am Sonntagnachmittag wurde die Casa Cuba besetzt. 16 der auf dem Fest anwesenden Delegierten von 35 Kommunistischen und Arbeiterparteien waren noch nicht Richtung Flughafen unterwegs und enterten die Bühne – nach ihrer offiziellen Verabschiedung im Zelt der Bayern gaben die internationalen Gäste einen spannenden Überblick über ihre Länder und ihre Aufgaben. Mit bewegenden Reden und der Internationale, die die Vertreterin der Kommunistischen Partei Chiles anstimmte, verabschiedeten sich die internationalen Gäste vom UZ-Pressefest. Mit der Bemerkung, dies sei wohl das erste Mal, dass Kommunisten ein besetztes Haus freiwillig wieder zurückgäben, übergab Günter Pohl, Leiter der Internationalen Kommission des Parteivorstands, als Letztem Ramón Ripoll, dem Botschafter Kubas, das Wort. Die internationalen Gäste gingen, die internationale Solidarität blieb.


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Leserbrief zu Artikel »Hausbesetzung der anderen Art«, UZ vom 14. September 2018





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