In Peter Gingolds Sinne

Von Alice Czyborra, Silvia Gingold, per E-Mai
|    Ausgabe vom 21. September 2018

In seinem Leserbrief beruft sich Thomas Mehner für die „fehlende Orientierung“ des Bündnisses „Aufstehen gegen Rassismus“ auf Peter Gingold. So möchten wir unseren Vater nicht verstanden wissen.
Wir sind sicher, würde er noch leben, er wäre zusammen mit Menschen unterschiedlicher politischer Orientierung mitten in diesem Bündnis und würde dort eindringlich das Zusammenstehen aller gegen Rassismus anmahnen. Natürlich würde er die Ursachen von Rassismus und Faschismus benennen, aber antimonopolistische Positionen als Voraussetzung und Bedingung für eine gemeinsame Bewegung zu machen wäre nie in seinem Sinn gewesen.
Als sich Christen, Sozialdemokraten und Kommunisten in den KZs zusammengefunden hatten, war es zu spät.
Aufgrund dieser Erfahrung appellierte Peter Gingold mit Nachdruck: „1933 wäre verhindert worden, wenn alle Hitlergegner die Einheitsfront geschaffen hätten. Dass sie nicht zustande kam, dafür gab es für die Hitlergegner nur eine einzige Entschuldigung. Sie hatten keine Erfahrung, was Faschismus bedeutet, wenn er einmal an der Macht ist. Aber heute haben wir alle diese Erfahrung. Für alle zukünftigen Generationen gibt es keine Entschuldigung mehr, wenn sie den Faschismus nicht verhindern.“
Viele Genossinnen und Genossen haben sich gerade in diesen Tagen an eindrucksvollen Demonstrationen des antifaschistischen Bündnisses „Wir sind mehr“ zusammen mit Kirchenvertretern, Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften, und linken Organisationen engagiert. Trotz unterschiedlicher politischer Zugänge der vielen Gruppierungen haben sie gemeinsam machtvolle Zeichen gegen den menschenverachtenden und Ausländer ausgrenzenden Rassismus rechter Kräfte gesetzt. Dies als „moralische Geste“ und als „Gut gegen Böse“ abzutun empfinden wir als Abwertung der so wichtigen breiten Bündnisse, aus denen sich weitergehendes politisches Engagement entwickeln kann.


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