Welche Demokraten?

Von Roland Winkler, per E-Mail
|    Ausgabe vom 28. September 2018

65 000 Demokraten in Chemnitz, heißt es. Haben sie wirklich gezeigt, dass sie mehr sind und gar Marx auch erfreut gewesen wäre, wie bei „verdi Publik“ zu lesen? Seine Analyse wäre sicher etwas weniger euphorisch, tiefgründiger und vor allem erkenntnisreicher ausgefallen. Unter den vielen Demokraten wären ihm sicher auch alle jene aufgefallen, die Chemnitzer Umtriebe, braunenDSumpf seit seiner Entstehung, seit den ersten Anzeichen und Menschenjagden in vielen anderen Städten und Orten des Landes, mit kaum mehr als gespieltem Entsetzen, Empörung, Heuchelei als Ausdruck „besorgter Bürger“ verstanden haben wollen.
Welche von den Demokraten der besten Demokratie, die Deutschland angeblich je hatte, hat sich Gedanken darüber gemacht, wie solche Demokratie zu dem führen kann, konnte oder musste, was heute schon Selbstverständlichkeit in diesem Lande ist, was gar als schützenswert gilt, was von höchster Politik geleugnet wird und kleingeredet wird? Welche der Demokraten haben die gesamte Entwicklung begleitet und politisch mitgetragen? Welche demokratische Figur geben die Politik, die Parteien im Lande ab, die der beste Nährboden für das ist, was heute braune Ausgeburten hervorbringt und täglich in Höchststimmung bringt?
Jetzt die vermeintliche Mehrheit der Demokraten hinter sich zu wähnen, sich hinter und unter ehrlich über faschistische Entwicklungen besorgte Bürger zu begeben, sich vor und über sie zu stellen, das ist die nächste Verlogenheit und Heuchelei. (…)


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