Verlässlicher Kumpan

Werner Sarbok zu den Wahlprogrammen der AfD
|    Ausgabe vom 12. Oktober 2018

Nach dem Studium der Programme der AfD für die Landtagswahlen in Hessen und Bayern können sich die kapitalhörigen Kräfte in der BRD beruhigt zurücklehnen: Eine Bedrohung der Unternehmerinteressen oder ein Einsatz für die arbeitenden Menschen in unserem Land müssen sie von dieser Truppe nicht befürchten.
Wie die Regierungsparteien in Frankfurt, München und Berlin und auch die meisten Oppositionsparteien sieht sich die AfD „der sozialen Marktwirtschaft verpflichtet. Daher geht Privat vor Staat“.
„Das wirtschaftliche Rückgrat unseres Sozialstaats, ja unseres gesamten gesellschaftlichen Wohlstands wird durch die Entmutigung heutiger und künftiger potenzieller Unternehmer zerstört“, jammert die bayerische AfD und kommt zu der erstaunlichen Aussage, dass zahlreiche Politiker zum Klassenkampf gegen die Arbeitgeber aufrufen würden.
Da ist es ja erfreulich, dass diesen geschundenen Unternehmer mit der AfD ein verlässlicher Kumpan zur Seite steht. „Autoindustrie schützen! Diesel ist super!“, ist auf bayerischen Wahlplakaten der AfD zu lesen. Die AfD sieht den Profit der bayerischen Automobilindustrie durch die EU-CO2-Grenzwerte bedroht. „Darüber hinaus sind von der Einführung dieser Grenzwerte die Fahrzeugflotten nahezu aller bayerischen Unternehmen betroffen“, sorgt sich die zweifelhafte Alternative. Mitgefühl für den betrogenen privaten Autokäufer ist nicht erkennbar.
Mit der Forderung nach Abschaffung des Gesetzes für den Ausbau erneuerbarer Energien unterstützt die AfD eine Forderung der Vereinigung des bayerischen Kapitals. „Arbeit und Soziales“, also die Interessen der abhängig Beschäftigten, finden im hessischen Programm nur in einer Überschrift und in der bayerischen Variante gar keinen Raum. Wäre schön, wenn sich das herumsprechen würde.


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