Kultursplitter

|    Ausgabe vom 26. Oktober 2018

Beeindruckend
Der Film „The Distant Barking of Dogs“ des dänischen Regisseurs Simon Wilmont hat den mit 12 500 Euro dotierten Osnabrücker Friedensfilmpreis gewonnen. Der Film zeige ein starkes Statement gegen den Krieg auf einer nur scheinbar ganz einfach menschlichen Ebene. Er thematisiere die bedingungslose Liebe zwischen der Großmutter und ihrem Enkel inmitten des Kriegswahnsinns und erzähle so eine ganz große Geschichte im Kleinen, urteilte die Jury. „Die Front geht genau hinter diesen Hügeln los. Als die Soldaten kamen, zogen die Leute weg. Aber wir ziehen nicht weg.“ Wo sollten sie auch sonst hin – Oleg, 10, und seine Großmutter? Also bleiben die beiden im immer leerer werdenden Dorf Hnutove im Gebiet des Donbass, was viel Freiraum für Oleg bedeutet, aber auch eine beängstigende Nähe zu Explosionen und Gefechten. Zuletzt sind sie nur noch zu zehnt bei der Evakuierungsübung in Olegs Klasse. Über ein Jahr begleitet der Film den Jungen und zeigt, wie er seine kindliche Unbeschwertheit mehr und mehr verliert, aber trotzig durchhält, getragen von der liebevollen Beziehung zu seiner Großmutter und zu seinen Freunden. Der Film erhielt bereits 2017 einen Preis, den IDFA Award for Best First Appearance. Ob sich nun, nach der erneuten Auszeichnung, ein deutscher Verleih finden wird?

Heuchelei
Nach der Absage des Konzerts der linken Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ im Bauhaus Dessau reißt die Kritik an der Entscheidung nicht ab. „Es darf niemals der Eindruck entstehen, dass der Druck der rechtsextremistischen Szene ausreicht, ein Konzert zu verhindern“, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Die CDU schüchtert zusammen mit der AfD und Neonazis eine Kultur- und Bildungsstätte ein, um ein Konzert in Dessau zu verhindern. Der diesjährige Vorsitzende des Bauhaus Verbundes, Berlins Kultursenator Klaus Lederer, schrieb in einem Brief an die Mitglieder des Museumsverbandes, er widerspreche entschieden den Äußerungen der Stiftung Bauhaus Dessau, das Bauhaus sei ein „bewusst unpolitischer Ort“. Wie der Museumsverband zu so einer Haltung kommt, ist angesichts der Geschichte des Bauhauses in der Zeit des deutschen Faschismus skandalös, eine solches Duckmäusertum darf man nicht durchgehen lassen. „Feine Sahne Fischfilet“ kündigte an, auf jeden Fall am 6. November in Dessau-Roßlau aufzutreten.

Sehr spät
Nicht über die Diktatur sprechen: Das gehörte zum stillschweigenden Pakt für die Demokratisierung Spaniens nach General Francos Tod 1975. Der Film „Franco vor Gericht?“ zeigt, wie die Opfer bis heute dafür kämpfen, dass ihr erlittenes Leid anerkannt wird. Francisco Franco kam nach einem Putsch und einem blutigen Krieg an die Macht. In den fast 40 Jahren seiner Herrschaft über Spanien töteten seine Schergen nach Schätzungen von Historikern 140 000 Regimegegner und verscharrten sie in Massengräbern. 185 Konzentrationslager wurden errichtet. Besonders stark war der Widerstand der konservativen Volkspartei und der katholischen Kirche gegen die Aufarbeitung der Verbrechen der Diktatur. Dabei ist deren strafrechtliche Verfolgung in Spanien durch das Amnestiegesetz von 1977 ohnehin unmöglich. Daher gingen die Angehörigen der Opfer mit ihrer Klage ins Ausland. Die argentinische Richterin Maria Servini de Cubria prüft eine Anklage im Rahmen des Völkerrechts wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermordes. Der Dokumentarfilm „Franco vor Gericht: Das spanische Nürnberg?“ begleitet die argentinische Richterin bei ihren Zusammentreffen mit den Opfern der Diktatur in Spanien. Mit aussagekräftigen Archivbildern und Interviews mit den Opfern und Tätern rekonstruiert der Film den historischen Kontext, aber auch die Spaltung der spanischen Gesellschaft bis heute. Jetzt hatte der Film in Berlin seine Deutschlandpremiere.


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Leserbrief zu Artikel »Kultursplitter«, UZ vom 26. Oktober 2018





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