Rettet die Firma

Von Gunnar R. Vogel, per E-Mail
|    Ausgabe vom 9. November 2018

Die „Sozialpartnerschaft“ war freilich aber immer auch von Massenmord begleitet. So brachte es der feine Herr von Siemens auf den Punkt: Wenn das Haus brenne, dann müsse man eben auch mal mit Jauche löschen, wenn man kein klares Wasser (das des Faschismus?) zur Verfügung habe. Mit Jauche meinte er den verräterischen Sattlermeister, der schon von einer Prinzregentenschaft einer Kronprinzessin träumte und seinen großbürgerlich-imperialistischen Förderern vom Schlage eines Friedrich Naumann klandestin steckte, er fürchte die eigenen Mitglieder mehr als die Reaktion. Denn die könnten von ihm die Umsetzung des Parteiprogrammes verlangen: die sozialistische Republik.
Und so war der verräterische Sattlermeister freilich auch für die Abdankung des Kaisers. Allerdings nur, um „die Firma“ zu retten. Die „Firma“: das war der deutsche Imperialismus und Kapitalismus. Derartige Offenbarungen machte der reaktionäre Kleingeist allerdings nicht vor den Arbeitern, das wurde nur privatim mit den Förderern der Parteiführung der „Mehrheits“-Spezialdemokröten hinter verschlossenen Türen besprochen. Zu dem Gesprächsstoff hinter verschlossenen Türen dürfte auch das Treiben der „Antibolschewistischen Liga“ des Herrn Eduard Stadtler gehört haben. Aus dieser Ecke wurde nicht nur ein Kopfgeld auf die Köpfe von Rosa und Karl ausgesetzt (100 000 RM, für die damalige Zeit viel Geld!), es wurden auch bei der Ermordung von Rosa und Karl durch Herrn Pabst die Strippen gezogen, da Herr Stadtler diesem die Marschrichtung nachdrücklich klar machte. („Wenn wir keine Köpfe haben, darf die andere Seite auch keine haben!“ (…) Herr Stadtler starb übrigens im Oktober 1945 während seiner Inhaftierung im SpezLag Nr. 2, dem ehemaligen KZ Sachsenhausen. In ein paar Jahren, wenn die antikommunistische Verhetzung in diesem Lande noch weiter gediehen sein wird, dürfte in gewissen Kreisen dieser Herr als „Opfer des Stalinismus“ durchgehen. (…)


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