AfD ohne Merkel

Markus Bernhardt über die Zukunft der AfD
|    Ausgabe vom 9. November 2018

Die völkisch-nationalistische AfD steht vor großen Problemen. Mit dem angekündigten Rückzug von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aus dem Politikgeschäft verliert die rassistische Ein-Punkt-Partei nicht nur ihre Lieblingsfeindin, sondern zugleich auch ihr eigentliches Kernthema. Über Jahre hinweg hatte die AfD gemeinsam mit ihren Bündnispartnern, den dauerkrakeelenden „Merkel muss weg!“-Schreiern, für den Rückzug der Kanzlerin getrommelt. Dieser zeichnet sich nun auch zeitlich ab.
Auch mit dem rassistischen Geschwafel von nicht enden wollenden „Flüchtlingsströmen“ dürfte es vorbei sein. Und zwar aus dem einfachen Grund, dass der Zuzug von Geflüchteten – für jedermann ersichtlich – deutlich zurückgegangen ist.
Die AfD-Fraktionschefin Alice Weidel wertet Merkels Abschied als Erfolg ihrer Partei. Dabei weiß sie genau, dass dieser auch das Ende der AfD einläuten könnte. „Durch unseren Eintritt in den Bundestag und jetzt natürlich auch durch die Besetzung des letzten Landtags in der Bundesrepublik haben wir schon insgesamt die Parteien-Tektonik durcheinander gewirbelt“, behauptete Weidel in der ARD. Deutlich kleinlauter wurde sie jedoch, als sie auf mögliche Nachfolger Merkels angesprochen wurde. Da mit Friedrich Merz und Jens Spahn zwei ausgewiesene Neocons ihren Hut in den Ring um Merkels Nachfolge geworfen haben, dürften sie sich  für die AfD kaum als Feindbild eignen. Viele enttäuschte CDU-Anhänger, die sich der AfD zugewandt hatten, könnten den Weg zurück zu den Christdemokraten finden. Vor allem diejenigen Konservativen, denen die positive NS-Bezugnahme mancher AfD-Funktionäre eigentlich zu weit ging, dürften sich wieder von der Gauland-und-Höcke-Partei abwenden.
Wo die AfD Merkel und die Flüchtlinge nicht mehr missbrauchen kann, dürfte ihr politisches Innenleben auch für den letzten ihrer bisherigen Wählerinnen und Wähler offensichtlich werden. Sieht man von den rassistischen Ausfällen der Partei ab, bleibt an Inhalt kaum etwas übrig. Und wo die AfD sich doch inhaltlich positioniert, tut sie das mehrheitlich im Sinne der Wirtschaft und der Freunde von Krieg und Militarisierung.


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