… gefährdet die Gesundheit

Olaf Matthes zu Bolsonaros Provokation gegen Kuba
|    Ausgabe vom 23. November 2018

Noch ist Bolsonaro nicht im Amt. Der Faschist, der am 1. Januar Präsident Brasiliens werden wird, sorgt trotzdem schon jetzt dafür, soziale Errungenschaften der vergangenen Jahre zu beseitigen. Seit Jahrzehnten arbeiten kubanische Ärzte daran, Menschen in der ganzen Welt medizinisch zu versorgen – im Moment in 67 Ländern. Nun plötzlich behauptet Jair Bolsonaro, es sei nötig zu überprüfen, ob diese Menschen auch die nötige medizinische Qualifikation hätten. Die solidarische Hilfe der Ärzte ist Politik der kubanischen Regierung. Bolsonaro ist der Meinung, die kubanischen Ärzte sollen nur über individuelle Verträge nach Brasilien dürfen, nicht über einen Vertrag mit der kubanischen Regierung. Und er beschwert sich, dass ein Teil des Geldes, dass Brasilien für die kubanische Hilfe zahlt, nicht ins Portemonnaie der Ärzte selbst, sondern an den kubanischen Staat geht – weil damit die kubanische Diktatur unterstützt werde.
Es gibt viele Gründe, die alten brasilianischen Regierungen unter der Arbeiterpartei zu kritisieren. Trotzdem: Lula und Rousseff haben eine Reihe sozialer Verbesserungen durchgesetzt. Bolsonaro gibt sich als Saubermann im Kampf gegen Korruption und Kriminalität, er wird der Präsident des großen Kapitals sein. Die Provokation, mit der er die kubanischen Ärzte aus dem Land getrieben hat, ist ein Vorgeschmack darauf, was in ein paar Jahren von den sozialen Errungenschaften übrig sein wird.
Wenn Kuba seine Ärzte ins Ausland schickt, um in Afrika gegen Ebola und in Haiti gegen Cholera zu kämpfen, trägt in den meisten Fällen der kubanische Staat die Kosten, genauso, wie kubanische Universitäten kostenlos Studierende aus anderen Ländern zu Ärzten ausbilden. Das ist die Solidarität eines sozialistischen Staates mit armen, vom Imperialismus ausgebeuteten Ländern. Der brasilianische Staat ist nicht arm, er hat mit Kuba vereinbart, für den Einsatz der Kubaner zu bezahlen. Das hat für fünf Jahre den Patienten in brasilianischen Favelas und den Finanzen Kubas genutzt – einer der Wege, mit dem Kuba durch die lateinamerikanische Integration die Folgen der US-Blockade abschwächen konnte. Es gibt keinen Unterschied zwischen den Interessen der Armen Brasiliens und denen der kubanischen Revolution – Bolsonaro schadet beiden.


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