Ein Leben gegen Krieg und Faschismus

Zum Tod von Lorenz Knorr
Von Horst Trapp
|    Ausgabe vom 7. Dezember 2018
Lorenz Knorr (1921-2018) auf einer Friedenskundgebung 1978 (Foto: [url=https://de.wikipedia.org/wiki/Lorenz_Knorr#/media/File:Lorenz_Knorr_bei_DFU.jpg]Lyhne/Wikimedia Commons[/url])
Lorenz Knorr (1921-2018) auf einer Friedenskundgebung 1978 (Foto: Lyhne/Wikimedia Commons / Lizenz: CC BY 2.5)

„Lorenz hat Politik gelebt. Dem Kampf gegen Krieg und Faschismus und für eine bessere, gerechtere Welt sah er sich lebenslang verpflichtet. Er begeisterte als aufklärender Redner und überzeugte mit seiner publizistischen Arbeit wie auch als Buchautor. Widerstand gegen Unrecht war und blieb sein Credo“, so seine Freunde und Mitstreiter in einem Aufruf.
Der gelernte Buchdrucker war vor dem Zweiten Weltkrieg Mitglied der Sozialdemokratischen Partei der Tschechoslowakei. Er widmete sich während der Nazizeit antifaschistischen Aktionen wie der Verbreitung von Publikationen, Sabotageakten an Kriegstransporten und Sprengung von Munitionslagern, weswegen er wegen Wehrkraftzersetzung verurteilt und zum Kriegsdienst gezwungen wurde. Im Krieg schwer verwundet, amtierte er ab 1950 als Bundessekretär der Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken. Er war Mitglied des Jugend- und Kulturpolitischen Ausschusses des Parteivorstands der SPD, Chefredakteur der „Jungen Gemeinschaft“ und protestierte öffentlich gegen das Einschwenken der SPD auf den NATO-Kurs Adenauers.
Lorenz trat aus der SPD aus und wurde 1960 Mitgründer der Deutschen Friedens-Union, der er gemeinsam mit Renate Riemeck und Karl Graf von Westphalen als Direktoriumsmitglied vorstand. Im Gründungsprogramm wurde gesagt: „Wir sind nicht bereit, uns dem Zwangsgedanken des Kalten Krieges zu unterwerfen. Wir treten unbeirrt und mit allem Nachdruck für eine unabhängige deutsche Politik des Ausgleichs und der Verhandlungen sowohl mit dem Westen als auch mit dem Osten ein.“ So geschah es, was auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges reichlich Mut und Stehvermögen erforderte.
Ab Mitte der achtziger Jahre wandte er sich weiteren Aufgaben zu wie etwa als Autor der „Deutschen Volkszeitung“ und der „Marxistischen Blätter“. Der bekennende Autodidakt war Leiter des Projekts Frieden und Abrüstung an der Universität Oldenburg. Im Weltfriedensrat vertrat er die Positionen der deutschen Friedensbewegung.
Als Lorenz die personelle Kontinuität der Wehrmacht zur Bundeswehr angriff und führende Bundeswehrgeneräle wie Heusinger und Speidel Massenmörder nannte, musste er sich mehreren Gerichtsverfahren stellen. Letztlich obsiegte er in allen Verfahren, was auch auf die breite Unterstützung von Prominenten wie Martin Niemöller, Bertrand Russell, Linus Pauling und Wolfgang Abendroth zurückgeführt werden kann. Als Lorenz seinerseits die Generäle anzeigte, wurde das Ermittlungsverfahren eingestellt und eine Beschwerde von Lorenz zurückgewiesen.
Mehrere Jahre unterstützte er die VVN-BdA als Bundessprecher. Unermüdlich war er auf Vortragsreisen in Schulen, Universitäten und Jugendorganisationen, schrieb zahlreiche Bücher und Zeitungsartikel. Bis zu seinem Tod war Lorenz hellwach und schloss sich der Initiative „abrüsten statt aufrüsten“ an. Seine Stimme wird den fortschrittlichen Menschen fehlen.


  Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (leserbriefe@unsere-zeit.de):

Leserbrief zu Artikel »Ein Leben gegen Krieg und Faschismus«, UZ vom 7. Dezember 2018





Wir bitten darum, uns kurze Leserzuschriften zuzusenden. Sie sollten unter der Länge von 1800 Zeichen bleiben. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen und kann nicht versprechen, dass jeder Leserbrief beantwortet oder veröffentlicht wird. Anonyme Leserzuschriften werden in der Regel nicht veröffentlicht.