Der Kampf unseres Lebens

Ella Gilbert über Klimawandel
|    Ausgabe vom 7. Dezember 2018

Seit die Verbrennung fossiler Brennstoffe im 19. Jahrhundert so richtig begann, sind die Oberflächentemperaturen weltweit um etwa ein Grad Celsius gestiegen. Bei unserer aktuellen Geschwindigkeit wird der Anstieg zwischen 2030 und 2050 irgendwo bei 1,5 Grad liegen.
Diese 1,5-Grad-Grenze wird zunehmend als die Obergrenze des „sicheren“ Klimawandels gesehen. In einem kürzlich veröffentlichten Bericht des „Intergovernmental Panel on Climate Change“ (IPCC) wird hervorgehoben, wie wichtig es ist, bei 1,5 Grad zu bleiben, ein Ziel, das auch im Pariser Übereinkommen von 2016 verankert ist. Es verpflichtet 184 Staaten zu strengen Emissionsreduktionen, um die Erwärmung einzudämmen. Die Konsequenzen einer Überschreitung dieses Ziels um nur ein halbes Grad wären erheblich.
Bei höheren globalen Durchschnittstemperaturen können wir ein chaotischeres und weniger stabiles Klima erwarten, das zu extremeren Wetterereignissen wie Dürre, Überschwemmungen und Stürmen führen wird. Wenn wir weiterhin Treibhausgase emittieren, werden wir die globalen Temperaturen bis 2100 voraussichtlich um 3 bis 4 Grad Celsius erwärmen. Wie der WWF berichtet, hat die Menschheit bereits heute 60 Prozent der Säugetiere, Fische, Vögel und Reptilien ausgelöscht, und der Klimawandel wird wahrscheinlich zur weiteren Zerstörung beitragen.
Aufgrund der steigenden Meere flüchten bereits Menschen auf den pazifischen Inseln aus ihren Häusern, während die unsichere Lebensmittelversorgung in den von Dürre betroffenen Regionen Afrikas, Zentralamerikas und des Nahen Ostens einen neuen Migrationsschub aus diesen Gebieten auslöst.
Eine unvermeidliche Katastrophe? Nicht ganz. Wenn die Emissionen heute aufhören würden, würde die Erwärmung wahrscheinlich unter 1,5 Grad Celsius stehen bleiben. Die Welt würde dann weitgehend derjenigen entsprechen, in der wir derzeit leben. Natürlich können wir nicht einfach „abschalten“, aber eine dauerhafte, aggressive Emissionsreduzierung könnte die oben genannten Albtraum-Szenarien abwenden. Um eine „wahrscheinliche“ Chance zu haben, die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, müssen wir die Emissionen bis 2050 auf einen Netto-Nullpunkt reduzieren und bis 2030 eine Verringerung um 45 Prozent im Vergleich zu 2010 erreichen. Wie können wir jedoch innerhalb von 12 Jahren einen so massiven Wandel erreichen?
Erforderlich sind landesweite Programme zur Erzeugung von erneuerbarer Wärme und Strom am Ort der Nutzung. Dies würde zu einer großen Anzahl von grünen Arbeitsplätzen führen, Anreize für die Nutzung von Elektrofahrzeugen schaffen und die Infrastruktur bereitstellen, die dies unterstützt. Und nötig sind Investitionen in ein landesweites, verstaatlichtes öffentliches Verkehrssystem, das für die Menschen da ist und nicht für den Profit.
Das Kapital lenkt von den eigentlichen Problemen ab, um sich zu schützen. Wir werden aufeinander gehetzt durch eine fortgesetzte Politik der Austerität und eine nationalistische Erzählung über Einwanderung, die Fremdenfeindlichkeit sät und eine Mentalität „wir gegen sie“ fördert. Das Gegenmittel ist Solidarität - ein Sozialismus, der diese Spaltung durchschaut und die wirkliche Macht in die Hände der Menschen legt.
Dies ist der Kampf unseres Lebens. Nichts zu tun bedeutet, uns zu einer sehr nahen Zukunft von Krieg, Isolation und Armut zu verurteilen. Handeln heißt, etwas Besseres zu schaffen, etwas Stärkeres, etwas Schöneres als den Kapitalismus - Hoffnung.

Ella Gilbert ist Umweltaktivistin. Ihr Beitrag ist eine gekürzte Übersetzung aus der britischen Tageszeitung „Morning Star“.


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