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KPD lebt

100 Jahre Kommunistische Partei in Deutschland – trotz alledem
Von Olaf Matthes
|    Ausgabe vom 21. Dezember 2018

Ob wir dann noch leben werden, wenn es erreicht wird – leben wird unser Programm“, schrieb Karl Liebknecht in der „Roten Fahne“ vom 15. Januar 1919. Er selbst lebte nur bis zum folgenden Abend, dann hatten ihn die rechten Offiziere festgenommen und mit Zustimmung angeblicher Sozialisten erschossen.
„KPD lebt“, stand Jahre später auf Zetteln, Blättern, Wänden. Gedruckt mit Kinderstempeln und Matrizendruckern, gemalt mit Farbe. Die Drucker und Schreiber riefen zum Sturz Hitlers auf, riskierten Zuchthaus und KZ und bewiesen, dass der Naziterror die kommunistische Partei nicht hatte zerstören können.  „KPD lebt“ – gut elf Jahre nach der Befreiung vom Faschismus schrieben das wieder Kommunisten heimlich auf Wände, um zu zeigen, dass auch die Adenauer-Verfolgung ihre Partei nicht zum Stillhalten zwingen konnte.
In dem Programm, das die KPD sich zwei Wochen vor Liebknechts letztem Artikel gegeben hatte, heißt es: „Die proletarische Revolution kann sich nur stufenweise, Schritt für Schritt, auf dem Golgathaweg eigener bitterer Erfahrungen, durch Niederlagen und Siege, zur vollen Klarheit und Reife durchringen.“
Größer als die Siege waren die Niederlagen, die die KPD, ihre Nachfolger und ihr Programm durchlebt haben: 1919 die revolutionären Aufstände niedergeschlagen, 1933 die Macht an die Faschisten übergeben, 1949 Deutschland geteilt und im Westen die Macht der Konzerne neu errichtet, 1989 die Konterrevolution, die die Fehler des DDR-Sozialismus für seine Zerschlagung nutzen konnte.
Mit der Gründung der KPD zogen Liebknecht und Luxemburg den Schluss aus den Erfahrungen der SPD. Die Gewerkschaftsführungen und die Parlamentsfraktion der SPD versprachen, als Stellvertreter der Massen die Probleme zu lösen und warnten vor linksradikalen Provokationen. Rosa Luxemburg schrieb in der „Roten Fahne“ – ebenfalls kurz bevor sie ermordet wurde –: Jede der Niederlagen sei „ein Teil unserer Kraft und Zielklarheit“. Denn die KPD stand für ein Programm, das die gesamte Arbeit der Partei darauf ausrichtete, die arbeitenden Menschen zu einer bewusst handelnden Kraft zu formieren – die Niederlagen seien Lehren auf dem Weg, dessen Ziel das Parteiprogramm so beschrieb: „Das Wesen der sozialistischen Gesellschaft besteht darin, dass die große arbeitende Masse aufhört, eine regierte Masse zu sein, vielmehr das ganze politische und wirtschaftliche Leben selbst lebt und in bewusster freier Selbstbestimmung lenkt.“
Liebknecht hatte Zweifel, ob er selbst noch leben werde, wenn es erreicht ist – weil er wusste, wozu die Vertreter des Kapitals bereit sind, um ihre Macht zu sichern. Er hatte keinen Zweifel, dass das Programm der neu gegründeten KPD durch die Niederlagen weiterleben werde – weil er wusste, dass die Widersprüche des Kapitalismus selbst die Notwendigkeit des Sozialismus zeigen und zu ihrer Aufhebung in der Revolution drängen. Dieses Gesetz ändert nichts daran, dass nicht vorausberechnet werden kann, wann es erreicht wird, so dass die KPD nun seit 100 Jahren lebt und kämpft.
Die KPD heißt nicht mehr KPD – 1946 hat sich ein Teil von ihr mit der SPD vereinigt und SED genannt, 1968 haben die Kommunisten in der Bundesrepublik ihre Partei unter dem Namen DKP neu konstituiert. Die KPD lebt, weil die Kommunisten auch heute das Programm für eine Gesellschaft der Solidarität und des Friedens zur Richtschnur in der täglichen Arbeit unter Kollegen, Nachbarn und Freunden machen.


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Leserbrief zu Artikel »KPD lebt«, UZ vom 21. Dezember 2018





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