Ende des Steinkohlebergbaus

Das Ende des Bergbaus in Bottrop

Arbeit geht verloren – die Menschen bleiben
Von Jörg Wingold
|    Ausgabe vom 21. Dezember 2018
„CDU – Zechen zu“, so hieß es im Mai 1966 in Gelsenkirchen (Foto: Toni Tripp)
„CDU – Zechen zu“, so hieß es im Mai 1966 in Gelsenkirchen (Foto: Toni Tripp)

In diesen Tagen ist der Steinkohlebergbau in Bottrop beendet werden. Er hat die Stadt und damit die Menschen in Bottrop dauerhaft geprägt hat. Nicht nur das Dorf Bottrop veränderte sich nach Abteufen des ersten Schachts im Jahre 1856: Es kamen immer mehr Menschen zur Arbeit im Bergbau nach Bottrop, die Bergwerke prägten das Gesicht der Stadt: Durch ihre Bauten, durch die Wohnungen, die kleinen Häuser, die errichtet wurden und natürlich den Schmutz.
Aber auch die Solidarität unter den Bergleuten wurde zu einem über ein Jahrhundert dauernden Kennzeichen des Umgangs der Menschen untereinander. Man kannte und man kennt sich, schließlich war man unter Tage aufeinander angewiesen.
Da machte es auch nichts aus, woher ein Bergmann kam, in erster Linie war er Bergmann – die Gefahren vor Ort waren groß. Auch die Gewerkschaft der Bergarbeiter konnte sich auf die Kumpels verlassen: Wenn sie rief, dann kamen sie. Leider gab es aber auch genug Anlässe, bei denen sich die Kumpels nicht auf jeden Bergarbeiterfunktionär verlassen konnten und so mancher Betriebsrat wusste nicht mehr, wohin er gehörte, wenn er bei der Ruhrkohle im Aufsichtsrat saß. Umso beliebter waren die Bottroper Kommunisten auf der Zeche. Auch während des KPD-Verbots wurden Männer wie Clemens Kraienhorst zum Betriebsratsvorsitzenden gewählt, weil – und obwohl – jeder wusste, wo er politisch stand. Das passte nicht jedem, und es gab Versuche, ihn zu kaufen – was er natürlich ablehnte. Und auch seine Gewerkschaft hat ihn mal ausgeschlossen, er hatte die Gewerkschaftsbeschlüsse ein wenig zu eifrig umzusetzen versucht.
Was also bleibt vorerst und was also sind die Gefahren des Endes des Bergbaus in Bottrop? Da sind zunächst einmal die Bergbauschäden, die in den nächsten Jahrzehnten und Jahrhunderten Kosten verursachen werden. Da sind die Umweltsünden, die von den Kohlekonzernen begangen wurden, die jeder, der mit offenen Augen durch die Stadt und das Grün geht, bemerken kann, wenn er will. Und es werden Gebäude und Flächen übrig bleiben – bis heute ist noch nicht klar, in welchem Zustand die Areale sind, ob sie und wie sie bebaut werden können. Und es werden Erinnerungen bleiben, in einigen Jahrzehnten werden es nur noch Erinnerungsstücke in Museen sein.
Hier hat die Stadt Bottrop eine Reihe von Pflichten:

  • Endlich eine Übersicht zu veröffentlichen, welche Folgekosten zu erwarten sind und was und wie die Spuren des Bergbaus – Gebäuden und Flächen – nutzbar sind,
  • neue Arbeitsplätze zu schaffen, um die Verluste im Bergbau zu ersetzen,
  • das Erbe des Bergbaus museal aufzuarbeiten und vor allem
  • nicht zu vergessen, dass die Solidarität der Bergleute, ihrer Familien, Kinder und Enkel nicht überreizt werden darf: Sie haben auch gelernt, sich zu wehren!

Was vom Bergbau in Bottrop bleibt, ist die Kokerei. Sie wurde 2011 von der Ruhrkohle Aktiengesellschaft an den weltweit größten Stahlproduzenten ArcelorMittal verkauft. Vor Kurzem hat sich in Bottrop eine Bürgerinitiative im Stadtteil Welheim gegründet, weil der Dreck, den die immer noch aktive Kokerei aushustet, inzwischen die Bürger auf die Palme bringt. „Die Kokerei geht leichtfertig mit der Gesundheit der Anwohner um. Sorge machen uns die hohen Spitzenwerte des krebserregenden Benzo(a)pyren von bis zu 24 Nanogramm pro Kubikmeter am Tag. Zielwert ist 1 ng/m³. Der Mensch macht daraus keinen Jahresmittelwert“, empört sich eine Anwohnerin. Es häufen sich die Beschwerden von Atemwegserkrankungen. Eltern sind besorgt über starken Husten ihrer Kinder. Erste Nachbarn wollen aufgeben und aus Welheim wegziehen. Besorgte Eltern sind aktiv in der Bürgerinitiative „Saubere Luft“. Gemeinsam mit anderen Anwohnern kämpfen sie dafür, dass die Kokerei endlich sauber produziert, ohne die Gesundheit und die Umwelt zu gefährden.
Die Geduld der Anwohner in Welheim und Batenbrock mit der Umweltbelastung durch die Kokerei ist zu Ende. Die Wut steigert sich von Woche zu Woche. Kokereileiter Herr Pufpaff schweigt beharrlich über die Ursachen des ölhaltigen Koksstaubs. Vorwurf der DKP: Es wird aufgrund schlechter Importkohle mit geringem Fettgehalt vermehrt Öl bei der Koksherstellung eingesetzt. Die Kokerei streitet dies ab, ohne den Grund für den Ölgehalt im Koksstaub zu erklären. Statt die Kohle-Mischbetten einzuhäusen, wie die DKP fordert, werden nur geringe Änderungen vorgenommen, die auch künftig Verwehungen nicht ausschließen. Die DKP hat jetzt Einsicht in die Betriebsgenehmigungen der Kokerei beantragt.
Die DKP Bottrop wird alles tun, um die positiven wie die negativen Folgen des Endes des Steinkohlebergbaus in unserer Stadt und damit in Deutschland nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.


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