Härte

Manfred Idler über das US-Grenzregime
|    Ausgabe vom 4. Januar 2019

Am Heiligen Abend starb ein achtjähriger Junge aus Guatemala in US-amerikanischem Gewahrsam an der mexikanischen Grenze. Woran er starb ist offen, die Behörden halten sich mit Informationen zurück. Er war zusammen mit seinem Vater am 18. Dezember festgenommen worden, als sie die Grenze zwischen Mexiko und den USA überquerten, dann wurde er von seinem Vater getrennt in einem Kinderknast untergebracht.
Das war kein Einzelfall, zwei Wochen vorher war schon ein siebenjähriges Mädchen – ebenfalls aus Guatemala – in der „Obhut“ der US-Grenzschutzbehörde ums Leben gekommen. Auch hier wurden die Umstände nicht offenbart. Tausende unbegleitete Kinder von Migranten befinden sich in den von der Grenzschutzbehörde eingerichteten Camps oder besser: Kinderknästen.
Wie viele Kinder sind in diesen Einrichtungen schon umgekommen? Es gibt keine Informationen. Ebenso wenig kommen Berichte über sexuellen Missbrauch in den 100 Heimen, über die der US-amerikanische Non-profit-Newsdesk ProPublica berichtet, an eine breitere Öffentlichkeit. Berichte über sexuellen Missbrauch sind nicht neu, aber die Politik der Trump-Regierung, Kinder von ihren Eltern zu trennen und praktisch jedes illegal einreisende Kind in Haft zu nehmen, begünstigt diese Verbrechen.
Sie sind geflohen vor Armut und Gewalt in ihren Heimatländern, dorthin, von wo diese Armut und diese Gewalt ausgingen. Sie sind erschöpft von dem langen Weg aus Zentralamerika, haben den Weg aus den provisorischen Lagern in Mexiko ohne sanitäre Einrichtungen, ohne Trinkwasser, über die US-Grenze geschafft, sie sind anfällig für Krankheiten. Der Chef der US-Grenzschutzbehörde nennt die Zahl 25 000, davon 14 000 unbegleitete Kinder.
Brachiale Härte gegen Migranten ist ein Markenzeichen Donald Trumps. Hinter dem Namen Trump, hinter diesem größenwahnsinnigen Chamäleon, das glaubt, die ganze Welt müsse seine wechselnden Farben annehmen, verbirgt sich: das System heißt Imperialismus. Die Kinderknäste sind älter als die Regierungszeit Trumps, es gibt sie seit Jahrzehnten. Diesem System sind menschliche Regungen fremd, es stampft über Leichen. Auch über Kinderleichen.


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Leserbrief zu Artikel »Härte«, UZ vom 4. Januar 2019





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