Was Gedenken heißt

DKP in gelben Westen bei Liebknecht-Luxemburg-Lenin-Demo – Besucherrekord bei „junge Welt“
Von Olaf Matthes
|    Ausgabe vom 18. Januar 2019

Mit gelben Westen und Warnungen vor der Kriegspolitik der EU hat die DKP am vergangenen Wochenende in Berlin der vor 100 Jahren ermordeten Kommunisten Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg gedacht. Zur jährlichen Liebknecht-Luxemburg-Demonstration kamen nach Angaben des Vorbereitungsbündnisses über 15 000 Menschen – deutlich mehr als in den vergangenen Jahren. Auch die von der DKP unterstützte Rosa-Luxemburg-Konferenz der „jungen Welt“ war mit 3 100 Besuchern größer als bisher.
„Gedenken an Karl & Rosa heißt 2019: Solidarität mit den Gelbwesten!“, stand auf dem Transparent an der Spitze des DKP-Blockes. Viele der über 500 Teilnehmer hatten gelbe Warnwesten mit Hammer und Sichel übergezogen, auch in anderen Teilen der Demonstration waren gelbe Westen zu sehen. In seiner Rede am Vorabend hatte der DKP-Vorsitzende Patrik Köbele erklärt: „Wir ziehen die gelben Westen an, weil wir unseren Kolleginnen und Kollegen zeigen wollen: Auch in Deutschland muss französisch gesprochen werden.“ Natürlich sei vieles an der Bewegung der Gelbwesten „unreif und widersprüchlich“ – „war das aber jemals die Frage für die Solidarität der Kommunisten?“, fragte Köbele.
Die DKP warb um Unterstützung für ihre Kandidatur zur EU-Wahl und sammelte am Wochenende 700 der dazu vorgeschriebenen Unterschriften. Aus Sicht der Kommunisten gehört auch das zum Gedenken an die ermordeten Revolutionäre: Diese kämpften gegen den imperialistischen Krieg, die DKP will den EU-Wahlkampf nutzen, um deutlich zu machen: Die EU bedeutet Krieg, die Kommunisten fordern „Raus aus der NATO“.
Bei der Abendveranstaltung der DKP sprach der frühere Kulturminister Kubas, Abel Prieto, im Rahmen der Konferenz hatten die Besucher die kubanische Revolution vor 60 Jahren gewürdigt. Für die Portugiesische Kommunistische Partei berichtete Ângelo Alves von den Erfahrungen mit der sozialistischen Minderheitsregierung Portugals, die von den Kommunisten toleriert wird. 15 Parteien und Organisationen aus dem Ausland hatten Vertreter geschickt, aus den Nachbarländern waren die Kommunisten teilweise in größeren Gruppen angereist. Eine Vertreterin der SDAJ berichtete, wie der Jugendverband das Festival der Jugend vom 7. bis zum 10. Juni in Köln vorbereitet.
Mit ihrer Rosa-Luxemburg-Konferenz bot die „jungen Welt“ auch in diesem Jahr eine Plattform für die Debatten unter Linken und ermöglichte mit Gästen unter anderem aus Kuba, den USA und der Türkei, sich ein Bild von Erfahrungen und Analysen revolutionärer Kräfte weltweit zu machen. Die „jungen Welt“ organisierte diesen Jahresauftakt der revolutionären Linken, obwohl die Zeitung selbst unter Druck steht: Die Post hat ihr die Preise für die Zustellung der Zeitung um 28 Prozent bzw. 90000 Euro im Jahr erhöht, nur neue Abonnements können die Existenz der Zeitung sichern. Köbele dankte der „jungen Welt“ für die Zusammenarbeit bei der Konferenz und rief zur Solidarität auf. Die DKP beteiligte sich wie in den vergangenen Jahren mit ihrem „Café K“ an der Konferenz und unterstützte sie mit Helfern.


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