Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 22. Februar 2019

Großschauspieler
Bruno Ganz, einer der bekanntesten deutschsprachigen Schauspieler, starb vor wenigen Tagen im Alter von 77 Jahren in der Schweiz. Seit letztem Sommer war er schwer krank, die Nachrufe über die Agenturen waren vorbereitet und sofort in allen Medien präsent. Selbst die Politik in Person von Wolfgang Schäuble hielt nicht kurz inne und laberte lieber von „einem großen Schauspieler der Gegenwart und zugleich einem bescheidenen und nachdenklichen Menschen“. Bruno Ganz spielte alles, was die Theaterliteratur zu bieten hat, das Theater von Brecht, Heiner Müller und anderen mied er. Dazu hatte er auch allen Grund, denn Ganz konnte mit den Anforderungen, die diese Autoren an die Schauspieler stellen, nichts anfangen. Ganz spielte an allen „großen“ deutschsprachigen Bühnen außer eben am „Berliner Ensemble“. Nur einmal war er in dem Brecht-Stück „Im Dickicht der Städte“ zu sehen, das jedoch 1968 in den Münchener Kammerspielen, ein ordentlicher Verriss war die Quittung. Bruno Ganz hat in unendlich vielen Filmen mitgespielt, die Rolle des Adolf Hitler in dessen letzten Tagen und Wochen in Berlin gab er ganz wie gewünscht mit viel Maske, wildem Augenrollen und nachäffender Diktion. Ehrungen und Auszeichnungen bekam er reichlich, es schien ihm wichtig zu sein.
Starke Worte
Der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) in
ver.di hat letzte Woche auf seiner Bundeskonferenz im Rahmen eines viertägigen Jubiläumskongresses in Aschaffenburg einen neuen Bundesvorstand gewählt. Die 45-jährige Autorin, Lektorin, Übersetzerin und Computerspiele-Autorin Lena Falkenhagen war vor ihrer Wahl zur Bundesvorsitzenden stellvertretende Landesvorsitzende des VS Berlin sowie Mitgründerin des Netzwerks Autorenrechte. Zu stellvertretenden Vorsitzenden wurden Sven J. Olsson und Leander Sukov gewählt. Daneben gehören dem neuen VS-Bundesvorstand noch Pilar Baumeister und Claudius Nießen an. Einstimmig wurde eine „Aschaffenburger Antwort“ verabschiedet, in der es unter anderem heißt, „Die Schriftstellerinnen und Schriftsteller des VS sehen den Rechtsruck in unserer Gesellschaft wie auch international mit großer Sorge. Für uns ist Demokratie nicht verhandelbar. Zum Kern demokratischer Werte gehören die Freiheit des Wortes und der Kunst.“
Schändung
Bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage wurde die Grabstätte von Karl Marx auf dem Londoner Friedhof Highgate beschädigt. Während es beim ersten Mal eine Attacke wohl mit einem Hammer war, durch den der Name von einer Marmorplatte abgeschlagen wurde, war es diesmal rote Farbe. Die bisher noch nicht bekannten Täter schrieben in englischer Sprache die Worte „Doktrin des Hasses“ und „Architekt des Genozids“ auf die Grabplatte. Die Friedhofsverwaltung meinte in einem Statement: „Was auch immer man von dem Vermächtnis von Marx hält, dies ist nicht die Art, sich auszudrücken.“ Soll wohl britische Zurückhaltung ausmachen, zu einem scharfen Protest und zu Maßnahmen, die Grabstätte wirkungsvoll zu schützen, kann man sich bisher noch nicht durchringen. Die knappe englische Agenturmeldung über die Schändung wurde zwar von vielen Zeitungen in Deutschland übernommen, zu einem eigenen Kommentar ist man aber nicht willens. Wie zu erfahren war, wurden die Gräber von Dolores Ibárruri „La Pasionaria“, sowie Pablo Iglesias, dem Gründer der PSOE, auf dem Almudena-Friedhof in Madrid geschändet und verschmutzt. Diese Entdeckung, die Dolores Ibárruris Enkelin vor Tagen machte, kommt zu einer Zeit, in der die rechtsextreme Vox-Partei an die Macht will. Diese Partei führt beschämender Weise in Andalusien den Vorsitz in der Kommission für das historische Gedächtnis.


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