Greta hat recht

Tina Sanders zu „Fridays for Future“
|    Ausgabe vom 22. Februar 2019

Seit Wochen und Monaten „streiken“ Schülerinnen und Schüler, um Aufmerksamkeit für etwas zu erzwingen, das etwa 95 Prozent der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich mit Klima und Umweltfragen beschäftigen, seit langer Zeit bestätigen: Der aktuelle Klimawandel ist von Menschen gemacht. Der Klimawandel drückt sich vor allem im weltweiten Anstieg der Durchschnittstemperaturen aus und nimmt immer bedrohlichere Formen an. Wir sehen ja, dass aktuell Extremereignisse wie Stürme und Dürren zunehmen, ein Jahrhundertsommer den nächsten jagt oder dass die Arktis im Sommer eisfrei ist. Der Anstieg der Temperaturen ist die Folge der steigenden Konzentrationen von Treibhausgasen in der Atmosphäre. Hauptgrund ist die fast unkontrollierte Verbrennung von fossilen Energieträgern. Das alles wissen wir, passiert ist nichts.
Seit Jahren – mindestens seit dem Klimagipfel von Rio, der 1992 stattfand – lamentieren die Mächtigen der Welt über die Begrenzung der Erwärmung. Mit Paris wurde das Ziel von 1,5 bzw. 2 Grad Celsius festgeschrieben, geeignete Maßnahmen sind nicht besprochen oder gar beschlossen worden. Warum nicht?
Wir sprechen von einem von Menschen gemachten Klimawandel. Dabei muss uns klar sein, dass dieser ein vom Kapitalismus gemachter ist, der in erster Linie von hochentwickelten Ländern wie den USA, den Ländern der EU oder Japan zu verantworten ist. Dafür zahlen müssen jetzt die Ärmsten der Armen – im internationalen Maßstab sind dies die Völker im Pazifik oder in Afrika.
Wir wissen, dass es im Kapitalismus nicht um die Befriedigung der Bedürfnisse der Menschen geht, sondern um Profite der Konzerne. Entsprechend scheinen die Regierungen nur umweltpolitische Maßnahmen zu kennen, die in erster Linie die Arbeiterklasse treffen: Höhere Steuern auf Öl, Gas und Diesel treffen vor allem diejenigen, die quasi ihr gesamtes verdientes Geld für die Absicherung ihres Lebensunterhaltes aufbringen müssen. Ein Verbot von Dieselautos trifft sie besonders hart, weil sie sich nicht einfach ein neues Auto kaufen können, weder Benzin noch Elektro. Wirkliche Alternativen durch öffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht.
Die Arbeiterklasse soll also die wenigen Maßnahmen gegen den Klimawandel bezahlen – und die Reichen und die Konzerne reiben sich die Hände. Sie bekommen sogar noch Subventionen, um neue Technologien zu entwickeln – die sich aber wieder nur am Profit orientieren und nicht daran, dass die Erde und damit die Lebensgrundlage der Menschheit geschützt wird.
Wenn die Aussage von Greta wirklich stimmt, dass, wenn das System eine Veränderung nicht zulässt, wir halt das System ändern müssen, dann ist darüber zu sprechen, was denn dieses System ausmacht und was denn Alternativen wären.
Die Risiken des Kohleausstiegs dürfen nicht auf die Bergbaukumpel abgewälzt werden. RWE und die anderen Energiekonzerne müssen zahlen, denn sie sind es, die mit Treibhausgasemissionen Millionengewinne gemacht haben. Die Konzernleitung streicht die Subvention ein und den Arbeitern bleibt nur der Gang zum Arbeitsamt: Sieht so Klimaschutz aus? RWE hat genug Geld, den Konzern frühzeitig umzubauen und neue Arbeit für die RWE-Beschäftigten zu schaffen. Das würde allerdings ihre Profitrate schrumpfen lassen. Die Konzerne haben kein Interesse daran, deshalb müssen wir sie dazu zwingen.


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Leserbrief zu Artikel »Greta hat recht«, UZ vom 22. Februar 2019





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