Charity brutal

Ein Putschversuch in Bildern
Von Lars Mörking
|    Ausgabe vom 1. März 2019
Randalierer bewarfen die venezolanischen Sicherheitskräfte von kolumbianischer Seite aus mit Steinen und Molotowcocktails. (Foto: AVN)
Randalierer bewarfen die venezolanischen Sicherheitskräfte von kolumbianischer Seite aus mit Steinen und Molotowcocktails. (Foto: AVN)

Ein paar Dutzend Aktivisten werfen Steine, der große, überwiegende Teil der Venezolaner aber beobachtet friedlich, fassungslos und tränenüberströmt das Scheitern ihres Plans auf der inzwischen weltbekannten Brücke. Es ist ein ungleicher Kampf: Steine aus dem Flussbett des Rio Tachira gegen eine gepanzerte Staatsmacht, hochgerüstet mit allen erdenklichen Waffen.“ Das ist die Schilderung der Ereignisse in Venzuela am vergangenen Wochenende in Springers „Die Welt“. Der „Machthaber“ Nicolás Maduro sei mit brutaler Härte gegen eine unbewaffnete venezolanische Opposition vorgegangen, die Sicherheitskräfte hätten „blind“ auf die Demonstranten geschossen. Und das nur, weil Maduro „trotz der katas­trophalen Versorgungslage keine humanitären Hilfslieferungen ins Land“ lassen will. Das Bild, das hier mit Worten erzeugt wird, deckt sich nicht mit den Bildern, die es aus der Grenzregion zwischen Kolumbien und Venezuela gibt.
Der Versuch der USA und ihrer lokalen Helfer, Waren mit Gewalt nach Venezuela zu transportieren und dabei die Grenzen eines souveränen Staates zu verletzen, ist gescheitert. Dafür hatten sie auch Tote und Verletzte in Kauf genommen. Die Lastwagen mit den „Hilfsgütern“ wurden nicht von Grenzschützern attackiert, sie brannten bereits auf der kolumbianischen Seite der Grenze. Von kolumbianischer Seite warfen Provokateure und Randalierer Steine und Molotowcocktails in Richtung Venezuela. Die venezolanischen Soldaten blockierten die Brücke dennoch erfolgreich, meist verschanzt hinter ihren Einsatzschilden.
Ja, es gibt einen großen Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten in Venezuela. Das liegt einerseits daran, dass private Unternehmen wie der Lebensmittelkonzern Polar aus dem Mangel zusätzlichen Profit schlagen können. Dann wirken die Sanktionen und Blockaden der USA, von einigen Staaten Lateinamerikas und von der EU. Und gerade diese Staaten wollen über ihre Marionette namens Juan Guaidó dem venezolanischen Volk „humanitäre Hilfe“ zukommen lassen?
Guaidó hat mit der großen Spendengala an der Grenze alles auf eine Karte gesetzt und ist damit gescheitert.


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Leserbrief zu Artikel »Charity brutal«, UZ vom 1. März 2019





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