Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 29. März 2019

Empfehlung
Heft 2/2019 des Magazins „Melodie & Rhythmus“ ist vor wenigen Tagen erschienen. Nach dem gelungenen Start im letzten Winter ist das Titelthema dem 20. Jahrestag des Beginns der NATO-Aggression gegen Jugoslawien gewidmet. Das ganze Arsenal der medialen Techniken für die militärische Intervention, die Fortsetzung der Politik mit kriegerischen Mitteln wird von verschiedenen Autoren genau beschrieben und kommentiert. Aktuell ist auch der Bericht über die EU-Novellierung des Urheberrechts und der Streit über die sogenannten „Upload-Filter“. Erste Stellungnahmen von Künstlern zu dem „Manifest für Gegenkultur“, das im letzten Heft vorgestellt wurde, werden veröffentlicht, verbunden mit der Einladung, sich an einer Konferenz in Berlin am Pfingstsamstag zu beteiligen.
Wettbewerb
Wenn es nach den Wünschen der Filmindustrie geht, dann werden die Streaming-Dienste wie Netflix und andere in zwei bis drei Jahren über 650 Millionen Kunden haben. Der Marktführer Netflix hat es bis Ende letzten Jahres alleine schon auf knapp 140 Millionen zahlende Abonnenten gebracht, die dem Unternehmen einen Jahresumsatz von mindestens 8,5 Milliarden bescheren. Mit so viel Geld in der Kasse kann Netflix nicht mehr nur Filme aus aller Welt lizenziert einkaufen, sondern ist längst selbst zum Filmproduzenten geworden, der aus Imagegründen auch auf Filmfestivals dabei ist. Jetzt rüsten die Konkurrenten auf und schreiben milliardenschwere Investitionen in ihre Geschäftsberichte. Disney, Warner Media und jetzt auch Apple wollen die Märkte nicht mehr Netflix kampflos überlassen. Ende 2018 beliefen sich die „Streaming Content Obligations“ von Netflix auf 19,3 Milliarden Dollar. Das sind Gelder, die Netflix bereits für kommende Produktionen ausgegeben hat in der Hoffnung, sie wieder bei den Abonnenten zurückzuholen. Da muten die kolportierten eine Milliarde Dollar, die Apple laut Branchenkennern jährlich für Eigeninhalte ausgeben will, geradezu mickrig an. Tatsächlich dürfte es Apple von allen Streaming-Diensten am schwersten haben. Während sich Disney, Warner und Netflix im Filmbereich schon eine große Reputation erarbeitet haben, muss Apple erst noch zeigen, dass es auch Filme und Serien kann.

EU-Reform
Die Proteste gegen die EU-Reform des Urheberrechts nehmen zu, haben aber auch nicht wenige groteske Züge. Der laute Ruf gegen „Zensur“ und die „Freiheit der Kunst“ wird zwar gehört, aber eher von populistischen Parteien und Vertretern der großen Medienkonzerne. Im Kern geht es um den Streit, ob werbefinanzierte Geschäftsmodelle wie „youtube“ oder „facebook“ geschützt werden sollen oder besser nicht lizenzfinanzierte Modelle, die es besonders kleineren Musiklabels, Filmemachern oder freien Künstlern ermöglichen, für das ihnen verbriefte Urheberrecht auch ein wie gering auch immer Honorar aus Lizenzen zu bekommen. Dass die Global-Player, aber auch die nationalen Medienkonzerne alles lieber so ließen, wie es ist, ist verständlich. Dass Nutzer lieber weiterhin alles verwenden wollen, dessen sie habhaft werden können, ohne dafür zu zahlen, ist nur so lange verständlich, wie der gesellschaftliche Wert, den das Urheberrecht hat und weiterhin haben sollte, leichtfertig in Frage gestellt wird.

Ring-Träger
Nach dem Tod von Bruno Ganz war die spannende Frage, wen er als der bisherige Träger des „Iffland-Rings“ in seinem Testament zum neuen Träger erkoren hat. Nun wurde bekannt, dass er Jens Harzer gewählt hat, den Ring bis zu seinem Lebensende tragen zu dürfen. Jens Harzer arbeitet als Ensemblemitglied am Hamburger Thalia-Theater, bereits zweimal wurde er zum „Schauspieler des Jahres“ gewählt, den meisten von uns ist er vielleicht erinnerlich in der Rolle des Psychiaters in „Berlin Babylon“, der später als der totgeglaubte Bruder der Hauptfigur erkennbar wird. In der Spielzeit 2018/2019 ist er am Schauspielhaus Bochum in „Penthesilea“ von Heinrich von Kleist in der Regie Johan Simons zu sehen. Premiere ist am 20. April, Harzer spielt den Achilles, den Geliebten der Hauptfigur. Man wird sicherlich die hohe Sprechkultur von Jens Harzer bewundern können, schließlich hat Kleist das Stück in Blankversen geschrieben.


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