Eine andere Zeitung

Ein guter Grund zum Feiern: 50 Jahre UZ
Von Ellen Beeftink
|    Ausgabe vom 18. April 2019

„Ich bin ein großer Gegner der Zeitungen“ sagte Herr Wirr, „ich will keine Zeitungen.“ Herr Keuner sagte: „Ich bin ein noch größerer Gegner der Zeitungen: ich will andere Zeitungen.“ Vor ziemlich genau 50 Jahren erfüllte die noch junge DKP Bertolt Brecht diesen Wunsch. Sie gründete eine eigene Zeitung: die „UZ – Unsere Zeit“. Dass sie noch heute besteht, nach Konterrevolution und damit verbundener Desorientierung, scheint einem Wunder gleichzukommen, verdankt sich aber eher solidarischer Arbeit und Hartnäckigkeit. Honoré de Balzac schrieb: „In (manchen) Zeitungen, die eine Überzeugung vertreten, gibt es uneigennützige Leute, die im übertragenen Sinn von einer Weltanschauung leben, der sie ihr Dasein verschrieben haben.“ Nun, die Redakteure (m/w) und Autorinnen und Autoren und alle anderen am Gelingen Beteiligte sind genau dies, uneigennützige Genossinnen und Genossen. Lars Mörking, Chefredakteur, ist der Überzeugung, „dass die politische Kultur in einem desolaten Zustand ist. Die herrschende Klasse fördert vor allem Plattheiten und Ablenkungsmanöver. An einer Auseinandersetzung mit den Widersprüchen des Kapitalismus hat sie – im Gegensatz zur Arbeiterklasse – kein Interesse. Die DKP und ihre Zeitung UZ müssen hier ansetzen.“
Seit 50 Jahren wird hier Woche für Woche eine Zeitung gemacht, deren Beiträge nach dem Grundsatz: „Das Klassenauge schärfen“ ausgewählt werden. Das aktuelle Geschehen wird aus kommunistischer Sicht dargestellt, eingeordnet und kommentiert. Die „UZ – Unsere Zeit“ ist somit ziemlich einmalig in der Medienlandschaft der BRD und damit unverzichtbar. Für alle, die ein Interesse an echten Informationen haben. Und als Argumentationshilfe in der Auseinandersetzung über die Lügen der kapitalistischen Presse und die „Fake News“, die in den sogenannten „sozialen Medien“ verbreitet werden.
Es gibt also etwas zu feiern und vielen zu danken. Das wollen wir tun, nicht nur mit warmen Worten bei Bier und Schnittchen – wird es auch geben – sondern indem wir einen Blick in und auf das Zeitungsgewerbe werfen. Wir haben uns dafür die Hilfe berufener Fachleute gesichert, ausgewiesene Experten dieses Metiers. Ihren schonungslosen Analysen, mal kritischen mal spöttischen, wie ihren nachdenklichen und richtungsweisenden Überlegungen geben drei Künstler Ausdruck und Form. Auch sie sind Meister ihres Faches. Rolf Becker, Erich Schaffner und Jane Zahn haben die Aufgabe übernommen, die Texte zu sprechen. Alle drei sind sie begeistert empfangene Künstler auf den UZ-Pressefesten.

Die Zeitung ist eigentlich
nichts anderes als ein Kampfplatz.
Man muss leben,
und man muss kämpfen, um zu leben.
Émile Zola

Sie werden den Texten von Balzac und Tucholsky, Karl Kraus und Egon Erwin Kisch, Brecht, Heine und anderen ihre Stimmen geben und uns so vergnügliche Einsichten in die Kunst des Zeitungsmachens- und -lesens gewähren.
Ja, und es bedarf eines passenden Rahmens. Und den bietet das Zentrum Altenberg in Oberhausen allemal. Auf dem Gelände der Alten Zinkfabrik Altenberg, in der gut 130 Jahre lang Bleche hergestellt wurden, entstand nach deren Schließung 1978 ein alternatives Kulturzentrum, das von mehreren soziokulturellen Vereinen getragen wird. Ob mit öffentlichen oder privaten Verkehrsmitteln, das Zentrum Altenberg liegt praktisch hinter dem Hauptbahnhof mit großem Park & Ride-Platz. Und das Beste: es hat einen großen und auch hübschen Biergarten zum anschließenden Beisammensitzen.
„Es ist schwer, liebe Genossen – viel schwerer, als viele von Ihnen denken –, die Wahrheit genau so darzustellen, ohne die künstlerische Form und den Schwung zu verlieren. Skizze oder Reportage – das ist die Schilderung der Arbeit und des Lebens, wir aber wissen, welch graues ungefüges Material sie oft in unseren Tagen darstellen.“ Dem Anspruch, den Egon Erwin Kisch hier formuliert, wollen aber alle Autorinnen und Autoren nachkommen: Die Wahrheit darzustellen und zwar in einer gut lesbaren, verständlichen und keinesfalls langweiligen Form. Was die Wahrheit angeht, ist das nicht schwer. Alles andere wird uns nicht immer gelingen. Um noch einmal Balzac zu zitieren: „Für das Pamphlet will echter Sachverstand in eine unterhaltsame Form gebracht werden und es bedarf, da es fehlerfrei sein muss, eines tadellosen Stils; seine Sätze müssen bündig, einprägsam, engagiert und anschaulich sein, vier Eigenschaften, die alle von Genie zeugen.“ Wir arbeiten dran.


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Leserbrief zu Artikel »Eine andere Zeitung«, UZ vom 18. April 2019





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