Schöngeschlampt

Werner Sarbok zu den Arbeitslosenzahlen
|    Ausgabe vom 18. April 2019

Monatlich präsentiert die Bundesagentur für Arbeit ihre Erfolgsmeldungen, die uns suggerieren sollen, dass alles gut wird: Die Zahlen der Erwerbslosen sinken atemberaubend von Monat zu Monat und liefern der kapitalorientierten Presse in Deutschland schmackhaftes Material, was dann beispielsweise die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ am 29. Juni vergangenen Jahres zu der der kühnen Überschrift verleitete: „Es läuft: Deutschland nähert sich der Vollbeschäftigung“.
Damals wurde als Beweis für diese Verkündigung die Zahl von 2,342 Millionen Erwerbslosen zugrunde gelegt und wenn aktuell die Bundesanstalt die Zahl von 2,301 Millionen Erwerbslose benennt, können wir uns auf noch lautere Fanfarenstöße einstellen.
Aber leider sind diese Zahlen falsch.
Die Bundesanstalt „bereinigt“ ihre Statistiken beispielsweise um 3,254 Millionen „Unterbeschäftigte“. Das sind beispielsweise Teilnehmer an beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen oder arbeitsunfähig Erkrankte. Auch heißt es im Sozialgesetzbuch: „Erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die nach Vollendung des 58. Lebensjahres mindestens für die Dauer von zwölf Monaten Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende bezogen haben, ohne dass ihnen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten worden ist, gelten nach Ablauf dieses Zeitraums für die Dauer des jeweiligen Leistungsbezugs nicht als arbeitslos.“
Dieses und anderes mehr ist das normale Werkzeug zum Schönen der Arbeitslosenstatistik. Nun wurde zusätzlich bekannt, dass die Akten von rund 290000 Langzeitarbeitslosen laut Bundesrechnungshof falsch oder unvollständig geführt worden sind. Die Jobcenter hätten zuletzt rund 290 000 Menschen mit einem falschen Status an die Bundesagentur für Arbeit gemeldet, etwa 115000 Arbeitslose haben so nicht den Weg in die Statistik gefunden.
Eine Sprecherin der Bundesanstalt teilte nun mit, dass eine neue Weisung an die Jobcenter gegangen sei, regelmäßig automatisierte Prüfsysteme zu nutzen, um unplausibel oder unstimmig erscheinende Daten zu prüfen.
Das ist lobenswert.
Aber wenn die Bundesanstalt für Arbeit eine glaubhafte Statistik veröffentlichen wollte, müsste sie auf ihre „Bereinigungen“ verzichten und einfach die richtige Zahl der Erwerbslosen nennen.


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