Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 17. Mai 2019

Doktorhut
Ehrendoktorhüte bekommen nicht nur Politiker, auch Künstler werden damit bedacht. Jetzt hat das Rektorat und der Senat der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz (KUG) beschlossen, zum ersten Mal in der Geschichte des Hauses ein Ehrendoktorat zu vergeben. Ausgeguckt haben sie sich Phil Collins, jahrzehntelang erfolgreich als Drummer und Sänger von „Genesis“ unterwegs, später dann als Solokünstler. Die Uni meint, Phil Collins habe große Verdienste in der Jazz- und Populärmusik erworben, der Gymnasiasten-Pop der Band war nicht nur massentauglich, sondern auch immer im Mainstream der Musikszene. Collins wurde mit bisher sieben Grammys ausgezeichnet, er bewegt sich zwischen Pop, Jazz und allen möglichen Crossover-Ebenen. Die Uni verspricht sich natürlich was vom neuen Hutträger, er soll mediale Aufmerksamkeit bringen und den Studierenden sicherlich was aus den Nähkästchen der Musikbranche erzählen können. Collins nimmt die Auszeichnung am 22. Mai entgegen, der Tourneeplan lässt aber keinen Raum für ein erwartetes Konzert. Dafür müssen die Fans nach Wien pilgern, am 2. Juni gibt Collins im Wiener Ernst-Happel-Stadion ein Konzert.

Ein bisschen Geld
Die „Freien Theater“ in NRW sollen sich über eine „Spitzenförderung“ freuen, die das zuständige Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW vergibt. Seit Jahren wird ein wenig gekleckert, daran ändert sich wenig: Künftig profitieren von der dreijährigen Förderung insgesamt 20 statt bisher zehn Ensembles in den Bereichen Theater, Kinder- und Jugendtheater sowie Tanz. Auch die Fördersumme wurde erhöht: Sie beträgt in den neuen Antragsverfahren nun 80000 Euro statt 65000 Euro jährlich pro Ensemble. Ensembles, die drei Mal die Spitzenförderung erhalten haben, steigen künftig in eine mit 100000 Euro dotierte „Exzellenzförderung“ auf, diese Förderung soll 2022 beginnen. Die Exzellenzförderung in der Sparte Theater beginnt 2022. In NRW sind mehr als 180 Ensembles aktiv, die Förderung für die allermeisten geht eher gegen Null, da die Kommunen sowieso kein Geld für die Theaterszene haben, genau so wenig wie für Musikgruppen und Bildende Künstler, darum schmückt sich mit solchen Förderungen nur die Landesregierung. Die ausgelobten Preisgelder helfen auch nicht so richtig, denn die durchschnittlichen Produktionskosten für eine Theaterinszenierung liegen bei 15000 bis 18000 Euro, dann haben die Künstler selbst noch keinen Cent gesehen.

Nur dämlich
Der Irrwitz bürgerlicher Kunst, nicht mehr zu wissen, ob die Arbeiten einen über die kurzfristige Erregung/Empörung/Betroffenheit hinausgehenden Grund und Sinn haben, zeigt sich aktuell bei der Kunstbiennale in Venedig. Besonders aber der Schwachsinn, mit dem Stiftungen und staatliche Institutionen Preise begründen und vergeben, zeigt sich bei dieser Nachricht auf das Wunderschönste: Der Entwurf für einen abstrakten „Kronleuchter aus 99 roten Bobbycars“ in einer Großgarage in Halle ist von der Kunststiftung Sachsen-Anhalt ausgezeichnet worden. Der Entwurf des Künstlerduos Birgit Bublak und Thomas Purgand zeigt eine Installation, die entfernt an einen riesengroßen Prunkleuchter erinnern mag. Die Idee setzte sich im Wettbewerb „Think Bauhaus“ zum Bauhausjubiläum durch. In der Begründung fabuliert die Jury etwas von der Gleichartigkeit in Farbe und Form, also für das Serielle, das einst Thema am Bauhaus war. Lobend gewertet wurde das geplante Ende der Spielzeugautos: Am Ende werden die Bobbycars an Kindereinrichtungen in Halle übergeben. Das Kunstwerk mit dem Titel „CarChandelier100“ soll Ende August in der Großgarage Halle-Süd eingeweiht werden. Nicht zu erfahren ist, ob es auch noch Geld neben der Ausstellungsmöglichkeit für die Künstler geben wird.


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Leserbrief zu Artikel »Kultursplitter«, UZ vom 17. Mai 2019





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