Verflixte Fünf

Die schöne M., laufende Halbe und ein Geburtstag
Von Karl Rehnagel
|    Ausgabe vom 17. Mai 2019

Der Tisch war voll, die harten Fünf, angeführt von der schönen M., die ihr goldenes Haar offen trug und strahlte, als hätte sie Glückspillen verschluckt, plus einige weitere Gestalten, die uns komplettierten. U., der Mann ohne Zähne, hatte 1,5 Kilo zugenommen oder behauptete das, seine röchelnden Mitteilungen verbesserten sich dadurch aber definitiv nicht. Zu den fünf Toren des Spiels gesellten sich noch einige große Biere nach und nach auf meinem Deckel, nämlich, ihr ahnt es, fünf.
Das Spiel selber war zum Weggucken. Nicht eine Sekunde hatte man das Gefühl, der BVB würde nicht noch den größten Vorsprung verdaddeln können. Nachdem Götze in der 92. Minute endlich das 3:1 erzielt hatte, konterte Düsseldorf in der 95. (sic!) Minute mit dem 3:2. Der Schiedsrichter hatte keine Uhr oder eine von KIK oder war schlichtweg betrunken, er pfiff einfach nicht ab. Während der letzten Minuten rückte ich der schönen M. auf Tuchfühlung und schaute nur noch in ihr güldenes Haar, das Geschehen auf dem Bildschirm tat meinem Herzen nicht gut, immerhin wurde ich übermorgen: fünfundfünfzig! Irgendwann hatte anscheinend ein Linienrichter die Idee, dem Schiri zuzurufen, dass es nun doch wohl langsam dunkel würde. Endlich ein Pfiff, durchatmen, gewonnen! Gott sei dank, mein Blutdruck war bei fünf vor zwölf.
Und sonst? War der Spieltag untippbar. Bayern nur 0:0, Hannover fertigt Freiburg ab (3:0) und steigt trotzdem ab, Schalke holt einen Punkt in Leverkusen, Augsburg verliert zu Hause gegen Hertha 3:4. In der Tipprunde bin ich nun (fast) uneinholbar. Auch wenn ich nur vier (verdammt!) Punkte gemacht habe, liege ich fünfzehn Punkte vorne.
Der Aufreger des Tages? Endlich mal wieder von meinem Freund Uli Hoeneß. Zu einem nicht gegebenen Tor seiner Bayern krakeelte er: „Das sogenannte Abseits ist ja der Witz des Jahres. Es war gleiche Höhe.“ Nö, war es nicht. Alle Bilder zeigten das. Aber bei dem Typ habe ich schon lange das Gefühl, der wird freitags aus seiner Anstalt in den Kurzurlaub entlassen, um ihn sonntags wieder einzufangen. Ein erwachsener, gesunder Mensch kann doch nicht ständig so einen Schwachsinn reden. Aber es ist ja der Uli von den tollen Bayern, da wollen wir mal Fünfe gerade sein lassen. Autsch, sorry, der war schlecht.
Das Zitat zum Spieltag schaffte Nürnbergs Lukas Mühl zum Abstieg seines Vereins: „Die eine oder andere Halbe wird bei mir über den Tisch laufen.“ Hui, alter Schwede. Wenn bei mir die eine oder andere Halbe über den Tisch laufen würde, wäre ich am nächsten Tag beim Psychiater, ganz sicher, oder würde zumindest mein Bier auf halluzinogene Pilze und ähnlichen Unfug untersuchen lassen.
Und Dortmund und die Meisterschaft? Frankfurt muss Samstag in München gewinnen und wir gleichzeitig in Gladbach. An Letzteres glaube ich noch weniger als an Ersteres. Sicher, man hat schon Pferde vor die Apotheke kotzen sehen, aber ganz ehrlich? Dortmunds Chancen liegen höchstens noch im Promillebereich. Ich würde sagen, bei ungefähr … fünf. Oder, um es mit Gerhard Mayer-Vorfelder gesund einzuordnen: „Wenn der Erwartungshorizont abstürzt, dann fällt er auf den Hinterkopf.“


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Leserbrief zu Artikel »Verflixte Fünf«, UZ vom 17. Mai 2019





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