Iran ist sowieso schuld

Manfred Ziegler über US-Inszenierungen
|    Ausgabe vom 21. Juni 2019

Angriffskriege sind so von vorgestern. Heute kämpfen wir mit humanitären Interventionen um Menschenrechte oder verteidigen uns – als letztes Mittel, wenn alles andere versagt. Von Tonkin bis Oman und von Jugoslawien bis Libyen. Wir verteidigten die westlichen Werte gegen die Massenvernichtungswaffen des Irak genauso wie gegen das Atomprogramm des Iran.
Und so ist es kein Zufall, sondern Notwendigkeit, dass mit John Bolton ausgerechnet einer der Architekten des Lügengebäudes um die Massenvernichtungswaffen des Irak nun die Lügen um den Golf von Oman verbreitet. Eine Realsatire. Und ausgerechnet der saudische Kronprinz unterstützt Bolton und wirft dem Iran Terrorismus vor. Er ist derjenige, der einen unliebsamen Journalisten in Stücke hauen ließ. Nur kurz empörten sich die Medien über Bin Salman – mit seinen Anklagen gegen den Iran ist er wieder im Geschäft. Das ist – keine Satire, sondern Realität.
Es genügt nicht, einen Krieg zu führen. Man muss ihn zunächst verkaufen. Die Inszenierung um die Massenvernichtungswaffen des Irak ging so weit, dass US-Soldaten tatsächlich nach Massenvernichtungswaffen suchten – wenn auch ohne angemessene Ausrüstung. Für alles gibt es schließlich eine Grenze. Die Show im Golf von Oman nehmen wir ernst – wir wissen, was daraus werden kann –, aber nicht für bare Münze.
Bei einem ersten Vorfall im Mai versprach Bolton Beweise innerhalb weniger Tage – wir warten heute noch darauf. Trump erzählt, dass bei dem Angriff im Golf von Oman überall „Iran“ draufgestanden habe – und wir können nur hoffen, dass er das nicht buchstäblich, sondern im übertragenen Sinne gemeint habe.
Der UN-Generalsekretär fordert eine unabhängige Untersuchung, der japanische Außenminister mehr Informationen und nur der britische Außenminister unterstützt die USA fraglos. Selbst Außenminister Maas folgt seinem früheren Kollegen Fischer und sagt so etwas wie „Not convinced“ („Nicht überzeugt“). Der Meinung sind selbst viele Medien in den USA. Die US-Geheimdienste müssen wohl nacharbeiten – schließlich wollen sie einen Krieg verkaufen.
Wir können sicher sein: Falls der Wirtschaftskrieg gegen den Iran zu einem militärischen Angriff wird, werden alle ihre Hände in Unschuld waschen. Der Iran sei sowieso schuld und eine Bedrohung und wir verteidigten die westlichen Werte. In der Zwischenzeit dienen die westlichen Werte dazu, den Iran und seine 80 Millionen Einwohner in eine wirtschaftliche Katastrophe zu treiben.


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