Arbeitsplätze und Klimaschutz zusammenbringen

„Es geht auch darum, die gesellschaftlichen Verhältnisse besser zu machen“
Von Werner Sarbok
|    Ausgabe vom 5. Juli 2019
50 000 Metallarbeiterinnen und Metallarbeiter gingen in Berlin für ihre Zukunft auf die Straße. (Foto: Thomas Range)
50 000 Metallarbeiterinnen und Metallarbeiter gingen in Berlin für ihre Zukunft auf die Straße. (Foto: Thomas Range)

An der Demonstration #FairWandel am vergangenen Samstag in Berlin haben 50 000 Metallerinnen und Metaller aus ganz Deutschland teilgenommen. Zentrale Forderung der IG Metall war, dass aus dem technischem Fortschritt auch ein sozialer und ökologischer Fortschritt für alle werden muss. Mit dezentralen Aufrufen warben Geschäftsstellen der IG Metall für die Teilnahme: „Auch bei uns in der Region ist es an allen Ecken und Kanten spürbar. Die Welt ist im Umbruch. Auf der einen Seite greifen verstärkt die Wirkungen von Klimakrise, Digitalisierung, neuen Technologien, globalem Welthandel, neoliberalem Umbau der Wirtschaft, der Arbeitsplätze und des Sozialstaates. Auf der anderen Seite werden die Folgen von Prekarisierung, Armutsentwicklung und mangelnder Absicherung von Beschäftigten durch Befristungen und Werkverträge immer deutlicher und spalten heute schon die Gesellschaft in Gewinner und Verlierer. Diese Entwicklungen führen zu großen Sorgen in weiten Teilen der Beschäftigten“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der IG Metall Braunschweig, Salzgitter-Peine und Wolfsburg.
Mit Bussen oder Sonderzügen waren die Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in die Hauptstadt angereist und veranstalteten mehrere Demonstrationszüge durch das Regierungsviertel zum Brandenburger Tor. Die Junge IG Metall positionierte sich mit ihrem eigenen Demonstrationszug vom Roten Rathaus zum Brandenburger Tor zu den Themen Ökologie, Ausbildung, Arbeitszeit, Rechtsruck, Globalisierung und Gleichstellung. „Die Demo war echt geil. Ich würde nächstes Jahr wieder kommen“, meint ein junger IG Metall-Vertrauensmann von VW in Kassel. „Aber wir müssen noch viel mehr und viel lauter werden, um einen fairen Wandel zu erreichen. Sonst geht der Wandel voll zu Lasten der Beschäftigten.“
Auffällig war die starke Beteiligung von Kolleginnen und Kollegen aus dem Osten, die auf ihren Transparenten eine Verkürzung der Arbeitszeit forderten. Dort waren die Verhandlungen mit Gesamtmetall über die Angleichung der Arbeitszeiten in Ost und West wenige Tage vorher ergebnislos beendet worden. Nach Gewerkschaftsangaben wollen die Arbeitgeber keine Angleichung der Arbeitsbedingungen Ost an West, sondern vielmehr den Osten auch weiterhin als Experimentierfeld für Deregulierung nutzen.
Die IG Metall suchte den Schulterschluss mit Sozialverbänden und auch Naturschutzbewegten. Das äußerte sich auf der Abschlusskundgebung, auf der neben Jörg Hofmann auch Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, Olaf Tschimpke, Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), und Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie, zu Wort kamen.
Für die IG Metall stehe laut Jörg Hoffmann die Erwartung, dass die Mobilitäts- und Energiewende erfolgreich umgesetzt wird, im Interesse der Beschäftigten und des Klimaschutzes. So forderte er eine flächendeckende und verlässliche Infrastruktur von Schnellladestationen für E-Autos.
„Daneben sind massive Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr und die Schiene notwendig. Mit einer Politik der schwarzen Null ist die Verkehrs- und Energiewende nicht zu schaffen.“ Von den Unternehmen forderte Hoffmann Investitionen in neue Produkte und Geschäftsmodelle und die Sicherung von Standorten.
Die Transformation wird nach Verena Bentele auch zum Prüfstein für den Sozialstaat: „An der Rente wird sich zeigen, ob die Politik den Sozialstaat fit macht für die Zukunft. Der Gedanke an die finanzielle Situation im Alter macht fast allen Deutschen große Sorgen.“
Olaf Tschimke führte aus: „Jetzt ist die Bundesregierung gefordert, die Weichen für eine umfassende Mobilitätswende zu stellen und den geordneten und sozialverträglichen Strukturwandel für die Branche in den Regionen so zu organisieren, dass die Transformation Rückhalt in der Gesellschaft genießt.“ Der Klimaschutz dürfe nicht gegen die Mobilitätsbedürfnisse der Menschen oder die Frage nach der Arbeitsplatzsicherheit in der Automobilindustrie ausgespielt werden.
„Die Welt muss nicht nur klimafreundlicher, sondern auch gerechter werden. Es geht auch darum, die gesellschaftlichen Verhältnisse besser zu machen“, sagte Jasmin Gebhardt von der Jungen IG Metall zum Abschluss der Veranstaltung.


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Leserbrief zu Artikel »Arbeitsplätze und Klimaschutz zusammenbringen«, UZ vom 5. Juli 2019





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