Sicherheitsproblem Nummer Eins

Nach Abstürzen: DFG-VK fordert Stopp der Luftmanöver
|    Ausgabe vom 12. Juli 2019

UZ: Aktuell mehren sich Abstürze von Eurofightern und Hubschraubern der Bundeswehr. Wie groß ist die Gefahr für die Bevölkerung, die von den Flugmanövern der Armee ausgeht?

Felix Oekentorp,  NRW-Sprecher der DFG-VK

Felix Oekentorp, NRW-Sprecher der DFG-VK

Felix Oekentorp: Die Gefahr ist kein Stück zu unterschätzen und bestand eigentlich schon immer. Und zwar nicht nur für die Bevölkerung, sondern auch für die Piloten der Bundeswehr. Wobei Letztgenannte sich der Gefahr wohl eher bewusst sein dürften als die Bevölkerung.
Bei dem Absturz der zwei Eurofighter am 24. Juni über Mecklenburg ist ein erst 27-jähriger Pilot ums Leben gekommen. Der Ausbilder konnte sich nur mit dem Schleudersitz retten. Die Gefahr bei solchen Luftkampfübungen liegt vor allem darin, dass die Flugkörper auf Häuser stürzen können und so unbeteiligte und ahnungslose Zivilisten ums Leben kommen könnten. Am 1. Juli stürzte dann ein Bundeswehr-Schulungshubschrauber im Umkreis von Hameln ab. Auch hier verstarb die Pilotin, der Kopilot überlebte schwer verletzt.

UZ: Im Nachgang zum Absturz der beiden Eurofighter hieß es, Deutschlands Sicherheit sei nicht gefährdet.

Felix Oekentorp: Die Bundeswehr ist in dieser Angelegenheit das Sicherheitsproblem Nummer eins. Es gibt keinerlei vernünftige Begründung dafür, Luftübungen über oder auch nur in der Nähe von Wohngebieten durchzuführen. Es wäre im Interesse der Bevölkerung, dass derlei unnötige und zugleich äußerst gefährliche und zudem umweltfeindliche Manöver eingestellt werden. Tonnen von Treibhausgasen werden bei diesen Flügen produziert, während andernorts mühsam CO2 eingespart wird.

UZ: Wie soll die Bundeswehr denn handlungsfähig bleiben, wenn gewisse Szenarien nicht mehr geübt werden?

Felix Oekentorp: Einfach machen es sich die Bundeswehr und die etablierte herrschende Politik, die ohne eine glaubwürdige Gefahrenanalyse behaupten, derlei Manöver seien erforderlich. Vor welchem Feind sollen wir denn damit geschützt werden? Ich kann dem nur meine Sicht auf die Dinge entgegenstellen: Die Bundeswehr darf sich nicht an Auslandseinsätzen beteiligen, eine Angriffs- und Kriegsarmee ist nicht zulässig. Aber die Bundeswehr operiert weltweit und ist in vielen Kriegsgebieten aktiv. Bomben haben noch nie Frieden geschaffen. Und die NATO rückt an die russischen Grenzen vor und stellt somit eine Gefahr für Russland dar. Nicht umgekehrt.
Die DFG-VK  fordert einen sofortigen Stopp der Luftmanöver und ein Abrüstungsprogramm sowie das Ende der Auslandseinsätze der Bundeswehr. Friedens- statt Kriegspolitik – vor allem in Bezug auf Russland, aber auch den Iran.

Das Gespräch führte Markus Bernhardt


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