Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 12. Juli 2019

Gute Entscheidung
Lobenswert ist die Entscheidung des Börsenvereins für den Deutschen Buchhandel, in diesem Jahr seinen Friedenspreis an Sebastião Ribeiro Salgado zu vergeben. Salgado studierte Wirtschaftswissenschaften, während der brasilianischen Militärdiktatur engagierte er sich in der linken Oppositionsbewegung, er musste 1969 nach Paris emigrieren. Später arbeitete er für Entwicklungsprojekte in Afrika. Hier entdeckte er seine Leidenschaft für die Fotografie und entschied sich 1973, seinen Beruf aufzugeben und ganz als Fotograf zu arbeiten. Von Beginn an waren bei seinen Langzeitprojekten Armut, Flucht, Heimatlosigkeit und Krieg die Hauptmotive seiner ausnahmslos in schwarz-weiß gehaltenen Fotografien. Zahlreiche dieser Projekte und der sie begleitenden Fotobände sind in Zusammenarbeit mit Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, UNICEF, UNESCO oder Reporter ohne Grenzen zustande gekommen. Mit den Büchern „Migration“ und „The Children: Refugees and Migrants“ (dt. „Kinder der Migration“), die beide 2000 veröffentlicht wurden, machte er auf das Schicksal von damals 30 Millionen Flüchtlingen weltweit aufmerksam und sammelte Geld für UNICEF. Wim Wenders hat eine beeindruckende Dokumentation über Salgado, sein Leben und sein Werk gedreht, hoffentlich wird dieser Film aus Anlass der Ehrung nochmal ausgestrahlt.

Melting Pott
Im Museum Küppersmühle im Duisburger Innenhafen ist zur Zeit eine sehenswerte Ausstellung des Fotografen Till Brönner zu sehen. Er ist ein Jahr lang durch die Region gereist und meint, „Ich neige dazu, nach einem Jahr Arbeit an diesem Projekt, das Ruhrgebiet für das Amerika von Deutschland zu halten. Auch Amerika ist zu dem geworden, was es ist, weil andere Menschen ihr Land verlassen haben. Der Zuzug von Menschen aus dem Ausland, über viele Generationen, hat hier für ein Integrationsmodell gesorgt, das es in dieser Form woanders in Deutschland nicht gibt.“ Aber kritisch merkt er an, er „habe in den letzten Monaten viele Dinge gesehen, die man 2019 in Deutschland nicht für möglich halten sollte. Viel Armut, Städte und Straßenzüge, die so sehr sich selbst überlassen scheinen, dass man sich fragt: Was ist eigentlich mit der Kommune und wer hat hier vergessen zu helfen?“


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