Service umsonst

Werner Sarbok zu Lieferando
|    Ausgabe vom 16. August 2019

Wer die Internetseite des Essenslieferdienstes „Lieferando“ anklickt, wird dort von einem großformatigen Burger-Bild begrüßt, das deutlich macht, welche Zielgruppe von potentiellen Bestellern sich der Konzern auserwählt hat. Das ist auf jeden Fall die, die sich von der folgenden Anduzerei nicht abgeschreckt fühlt, in der ein „Exzellenter Service umsonst“ angepriesen und die Garantie abgegeben wird: „Du bezahlst genauso viel für dein geliefertes Essen, wie wenn Du direkt beim Restaurant bestellst.“ (Originalzitat inklusive der Grammatik-Fehler)
Dieses Unternehmen ist erfolgreich: Zum 16. August stellt Deliveroo, der bisherige Hauptkonkurrent von Lieferando, seine Aktivitäten in Deutschland ein. Gewinner ist Takeaway aus den Niederlanden, der vor wenigen Monaten seinem Unternehmen Lieferando das Deutschland-Geschäft von Delivery Hero einverleibt hatte und damit auch die Lieferdienste Lieferheld, Pizza.de und Foodora. Rund 1,15 Milliarden Euro gingen damals über den Tisch.
Deliveroo war nun kein kleiner Fisch. Insgesamt finanziert Deliveroo seine Geschäfte mit 1,5 Milliarden Dollar, die es bei Finanz- und anderen Heuschrecken zusammengestoppelt hat. Seit Mai ist Amazon dabei mit der stolzen Summe von 575 Millionen Dollar.
Die Zeche des exzellenten Services zum Nulltarif zahlen die Beschäftigten, seien es die Aktiven oder die nun Abzuwickelnden. Erstaunlicherweise hat Deliveroo verkünden lassen, dass Fahrern und Mitarbeitern „angemessene Vergütungs- und Kulanzpakete zukommen“ werden. Allerdings hielt sich das Unternehmen bedeckt, was angemessen sei.
Legt man die vergangenen Erfahrungen zu Grunde, wird das nicht viel sein. Die Fahrer waren als Selbstständige unterwegs, haben ihr eigenes Handy und vor allem das Rad stellen müssen und entsprechende Wartungsarbeiten unbezahlt in der Arbeitszeit und selbstverständlich auch auf eigene Rechnung durchführen müssen. Der Service darf eben nichts oder nicht viel kosten. Und ideenreich zeigte sich das Unternehmen auch, wenn es galt, die Bildung eines Betriebsrats zu be- oder gar zu verhindern.
Auf der Homepage von Takeaway sind nun auch Stellenanzeigen für neue Fahrer zu finden, in denen ihnen auch „Freiheit“ versprochen wird: „Ein Job im Freien, bei dem Du in den Genuss von frischer Luft und moderatem Sport kommst.“ Was will man oder frau eigentlich noch mehr?


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Leserbrief zu Artikel »Service umsonst«, UZ vom 16. August 2019





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