„Da sind wir aber immer noch“

50 Jahre Gedenkstätte Ernst Thälmann in Hamburg-Eppendorf
Von Hein Pfohlmann
|    Ausgabe vom 16. August 2019

Am 18. August findet von 14 bis 19 Uhr eine Veranstaltung anlässlich des 75. Jahrestages der Ermordung Ernst Thälmanns und des 50. Jahrestages der Eröffnung der Gedenkstätte statt.

13 Uhr: Ausstellungseröffnung: 50 Jahre Gedenkstätte Ernst Thälmann „Im Strom der Zeit“
(Die Gedenkstätte ist ab 11 Uhr geöffnet).

14 Uhr am Ernst-Thälmann-Platz in Hamburg-Eppendorf:
Gegen Krieg, für demokratischen Fortschritt und Sozialismus

Es sprechen:
•    Hein Pfohlmann, Vorsitzender des Kuratoriums
•    Patrik Köbele, Vorsitzender der DKP
•    Udo Helmbold, Freundeskreis Ernst-Thälmann-Gedenkstätte Ziegenhals-Berlin und andere

Kulturprogramm:
•    Ernesto Schwarz und „Roter Pfeffer“ (Bremen)
•    Songgruppe Hamburg

„Da sind wir aber immer noch“ – so lautet der Text eines Liedes der DDR-Songgruppe „Oktoberclub“ und so möchte auch ich beginnen.
Seit 50 Jahren gibt es die Gedenkstätte in Hamburg-Eppendorf nun schon. Das Thälmann-Relief, die Schrift über dem vorderen Eingang und die Tafel am Hauseingang weisen darauf hin, dass das Haus der Gedenkstätte das Wohnhaus von Ernst Thälmann und seiner Familie war.
Die Tafel am Hauseingang an der Tarpenbekstraße 66 gibt es bereits seit 1946. Seit 1945 finden regelmäßig Ehrungen statt – am Geburtstag und am Tag der Ermordung Ernst Thälmanns. Nach dem widerrechtlichen Verbot der KPD 1956 jedoch immer unter dem „wachsamen“ Auge der Polizei und des „Verfassungsschutzes“. Vor der Tafel stehenzubleiben, eine Rede zu halten oder Blumen niederzulegen – all dies war im „Kalten Krieg“ nicht erlaubt. Das durfte ich schon als Kind am Arm meiner Mutter erleben: „Weitergehen, weitergehen, nicht stehenbleiben!“, blaffte ein Polizist uns an. Aber irgendwie stand dann doch jemand auf einem Hocker und hielt eine Rede. Das alles unter dem Beifall der Anwesenden, trotz des verzweifelten Versuchs der Polizei – ob in Uniform oder in Zivil –, das zu verhindern.
Es wurde der sinnlose Versuch unternommen, Ernst Thälmann aus dem Gedächtnis der Menschen seiner Heimatstadt und der BRD zu löschen: Parallel zum KPD-Verbot wurde die Ernst-Thälmann-Straße auf St. Pauli in Budapester Straße umbenannt. Als fadenscheinige Begründung wurde auf den „Ungarn-Aufstand“ verwiesen.
Nach der Lockerung des Verbots der „kommunistischen“ Betätigung durch den damaligen Justizminister Heinemann und der Neukonstituierung der DKP – nicht der Aufhebung des nach wie vor bestehenden KPD-Verbots – bestand ab 1968 endlich wieder die Möglichkeit, eine würdige Gedenkstätte in der Heimatstadt Ernst Thälmanns aufzubauen.
Das bedeutete viel Arbeit für die Gründer, die zum Teil Mitkämpfer Ernst Thälmanns, Widerstandskämpfer und natürlich Genossinnen und Genossen waren. Material und Ausstellungsstücke wurden gesammelt und sortiert, die noch sehr kleine Gedenkstätte musste aufgebaut werden. Besonders hervorgehoben werden muss die solidarische Unterstützung, die sie von Freunden aus dem Ausland erhielten – aus der UdSSR, der DDR und anderen sozialistischen Staaten.
Was macht die heutige Gedenkstätte so einzigartig? Parallel zum Lebenslauf Ernst Thälmanns berichtet die Gedenkstätte über die politische und gewerkschaftliche Arbeiterbewegung, beginnend in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis in die heutige Zeit. Sie versucht, Einblick zu geben in die Ursachen und Hintergründe des deutschen Faschismus sowie des Ersten und Zweiten Weltkrieges.
Der zeitliche Rahmen der Ausstellung reicht vom Hamburger Hafenarbeiterstreik von 1896 bis zur Befreiung vom Faschismus 1945. Gezeigt wird der Kampf der oppositionellen Sozialdemokraten gegen den ersten Weltkrieg, die Novemberrevolution von 1918, die Gründung der KPD, der Hamburger Aufstand von 1923. Einen weiteren Schwerpunkt bildet der Kampf gegen den aufkommenden Faschismus und das Bemühen um die Schaffung der Einheit der Arbeiterbewegung. In 32 Vitrinen und auf 34 Tafeln werden über 500 Exponate gezeigt: Bild- und Schriftdokumente, Zeitungen, Zeitschriften, Plakate, Fahnen, Abzeichen, eine Uniform des Roten Frontkämpferbundes, Abzugsgeräte für Flugblätter und andere Gegenstände.
All dies ist verbunden mit dem Wirken Ernst Thälmanns bis zu seiner Verhaftung 1933. Danach konnte er durch Kuriere weiter auf die Entwicklung des Kampfes der KPD gegen den Faschismus Einfluss nehmen. Dies war auch der Grund, warum er 1944 auf direkte Anweisung Hitlers im KZ Buchenwald ermordet wurde. Kommunisten sollten nach der absehbaren Niederlage des Faschismus keine Chance auf einen Neubeginn in Deutschland haben.
Die Unterlagen in der Gedenkstätte Ernst Thälmann sind unersetzliche Zeugnisse in einer Zeit, in der AfD, Pegida, NSU und andere ihr Unwesen treiben und in einer Gesellschaft, die immer mehr nach rechts tendiert.
Wir bieten die Möglichkeit, durch Recherchen in unserem reichhaltigen Archiv und der Bibliothek mitzuhelfen beim Kampf gegen die Umschreibung der Geschichte und für eine ehrliche Geschichtsaufklärung. Man kann die Geschichte verfälschen, aber man kann sie nicht ändern.
Aufgebaut von den Verfolgten des Faschismus und mit Hilfe von Freunden aus vielen (unter anderem den sozialistischen) Ländern, kämpft die Gedenkstätte Ernst Thälmann weiter gegen Faschismus von gestern und heute.

Unser Autor ist Erster Vorsitzender des Kuratoriums der Gedenkstätte Ernst Thälmann

Am 18. August findet von 14 bis 19 Uhr eine Veranstaltung anlässlich des 75. Jahrestages der Ermordung Ernst Thälmanns und des 50. Jahrestages der Eröffnung der Gedenkstätte statt.

13 Uhr: Ausstellungseröffnung: 50 Jahre Gedenkstätte Ernst Thälmann „Im Strom der Zeit“
(Die Gedenkstätte ist ab 11 Uhr geöffnet).

14 Uhr am Ernst-Thälmann-Platz in Hamburg-Eppendorf:
Gegen Krieg, für demokratischen Fortschritt und Sozialismus

Es sprechen:
•    Hein Pfohlmann, Vorsitzender des Kuratoriums
•    Patrik Köbele, Vorsitzender der DKP
•    Udo Helmbold, Freundeskreis Ernst-Thälmann-Gedenkstätte Ziegenhals-Berlin und andere

Kulturprogramm:
•    Ernesto Schwarz und „Roter Pfeffer“ (Bremen)
•    Songgruppe Hamburg


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Leserbrief zu Artikel »„Da sind wir aber immer noch“«, UZ vom 16. August 2019





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