„Aufgeben ist keine Option“

Längster Streik in der Geschichte von Rheinland-Pfalz
Von Konni Kanty
|    Ausgabe vom 30. August 2019
Kundgebung der Riva-Beschäftigten vor der Porta Nigra in Trier (Foto: Hans Müller)
Kundgebung der Riva-Beschäftigten vor der Porta Nigra in Trier (Foto: Hans Müller)

Der Streik der Beschäftigten von Riva/HES an den Standorten Trier und Horath ging am Montag in die zwölfte Woche. Trier und Horath sind die einzigen deutschen Riva-Standorte, für die kein Tarifvertrag gilt. Die Beschäftigten dort fertigen Betonstahlmatten für die Bauindustrie. Sie fordern von Riva die Anerkennung der Tarifregelungen der IG Metall für die Metall- und Elektroindustrie.
Die bestreikten Betriebe gehören dem 1917/18 gegründeten Stahl- und Walzwerk im brandenburgischen Henningsdorf an, das die Treuhand nach der Konterrevolution 1989/90 dem italienischen Riva-Stahl-Konzern zuschob und von ihm weiter betrieben wird. Die „Gruppo Riva“ betreibt 15 Stahlwerke und viele weitere kleinere Werke in ganz Europa. Der Großkonzern konnte im Jahr 2018 3,6 Mrd. Euro Umsatz einfahren – laut der in Mailand erscheinenden Tageszeitung „Il Sole 24 Ore“ liegt der Marktanteil des Konzerns in der EU nun bei 4,2 Prozent.
Den rund 140 Beschäftigten des Werks an der Mosel, die rund 2 Prozent des Konzern-Gesamtumsatzes erarbeiten, wird die Bezahlung nach Metall-und-Elektroindustrie-Tarif (ERA) verweigert. Anfang Juni haben deswegen 100 Prozent der dort beschäftigten IG-Metall-Mitglieder in einer Urabstimmung für einen Streik gestimmt. In den vergangenen Wochen hat die IG Metall Trier die Beschäftigten im Arbeitskampf tatkräftig unterstützt. Sie haben das Werkstor bestreikt, organisierten eine Protestfahrt auf der Mosel und haben bisher zwei Kundgebungen an der Porta Nigra abgehalten. Sie sind vor den Betriebssitz des Stahlkonzerns nach Mailand gefahren und nach Frankfurt a.  M. vor das italienische Konsulat, um auf die Situation aufmerksam zu machen.
Solidarität kam von zahlreichen IG-Metall-Verbänden, anderen DGB-Gewerkschaften, der italienischen Metallgewerkschaft FIOM und auch von der DKP Trier. In einem Stahlwerk in der Stadt Brandenburg kam es – ebenfalls aufgrund von Tarifverhandlungen – fast zur Urabstimmung über einen Streik, bundes- und europaweit sind andere Werke in die Kampfmaßnahmen eingebunden.
Die Konzernleitung zeigte sich in den Tarifverhandlungen bisher unbeeindruckt von den Streiks und Solidaritätsbekundungen. So blieben die Tarifverhandlungen mit der IG Metall bisher ergebnislos – zu einem der Verhandlungstermine ist die Riva-Leitung nicht einmal erschienen.
„Rationalität spielt beim Riva-Konzern keine Rolle“, sagte der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Trier, Christian Z. Schmitz, im Gespräch mit UZ. „Ohne Tarifvertrag, ist kein Facharbeiter in diesem Betrieb zu halten und auch kein neuer zu finden. Ohne Tarifvertrag ist die Schließung des Werks in Horath und Trier auf Dauer unvermeidlich.“
Die Stimmung auf den Kundgebungen ist kollegial und kämpferisch. Die IG Metall Trier hat eigens einen Internetblog zum Streik (igmetall-riva.de) eingerichtet. „Wir haben uns zusammen dafür entschieden, wir werden zusammen bis zum Ende kämpfen. Aufgeben ist für uns keine Option“, sagte der Beschäftigte Hans Müller* gegenüber UZ.


*Name auf Wunsch des Kollegen geändert


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