Riester-Rente ist tot

Reiner Heyse bilanziert
|    Ausgabe vom 30. August 2019

Nach fast 20 Jahren massiver Förderung mit Steuergeldern haben gerade einmal 25 Prozent der berechtigten einen aktiven Riester-Vertrag. Ziel war, das alle der ungefähr 40 Millionen Beschäftigte in der Bundesrepublik privat vorsorgen. Auch mehrfach erhöhte massive staatliche Bezuschussungen – derzeit etwa vier Milliarden Euro pro Jahr – können die Versichertenzahlen nicht erhöhen.
Die Gründe sind eindeutig und bekannt: Erstens können Lohnempfänger mit niedrigen und mittleren Einkommen nicht zusätzlich sparen. Und zweitens sind die Erträge aus den Verträgen nicht nur unsicher und zweifelhaft, sie sind seit etlichen Jahren negativ. Die Umlaufrenditen für öffentliche Anleihen spielen in der öffentlichen Berichterstattung so gut wie keine Rolle. Dabei ist sie die entscheidende Größe für die Bewertung, zu welchen Zinssätzen die Beiträge für sichere private Rentenbeiträge angelegt werden können.
Zum Start der Riester-Rente wurde eine mögliche Verzinsung von 4 Prozent unterstellt und die Versicherungskosten auf 10 Prozent taxiert. Nur neun Jahre später sank die Umlaufrendite aber auf zirka 1 Prozent und die tatsächlichen Kosten waren mit durchschnittlich etwa 15 Prozent deutlich höher.
Was den meisten Sparern nicht klar ist: Wenn sie beispielsweise 100 Euro im Monat riestern, werden tatsächlich nur ca. 85 Euro angelegt. Die restlichen 15 Euro behält die Versicherung für Provisionen, Verwaltung und Profit. Bei einem Zinssatz von 1 Prozent würde ein Riester-Sparer unter diesen Bedingungen 24 Jahre benötigen, um die Versicherungsabzüge beglichen zu haben. Erst im 25. Jahr würde das Gesparte einen tatsächlichen Zinsertrag bringen. Die Inflation ist in dieser Rechnung noch nicht einmal berücksichtigt.
Dieser Befund sollte eigentlich schon das Todesurteil für die Riester-Rente sein. Es kam aber noch viel schlimmer.
Seit fünf Jahren pendelt der Zinssatz der Umlaufrendite um die 0 Prozent. Ein Ende der Entwicklung ist nicht absehbar. Im Jahr 2014 legten das Prognos-Institut und Bert Rürup im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungwirtschaft (GDV) eine Studie mit der zentralen Forderung vor: „Ausbau der kapitalgedeckten Altersvorsorge trotz Niedrigzinsphase (…) Die aktuelle Niedrigzinsphase wird kein Dauerzustand werden (…) Es spricht daher nichts dagegen, den Anteil kapitalgedeckter Alterseinkommen ungeachtet der aktuellen, aber sich in absehbarer Zeit einem Ende zuneigenden Niedrigzinsphase eher zu erhöhen, als zurückzufahren”.
Die Niedrigzinsphase (drei Jahre lang 1 Prozent) blieb tatsächlich kein Dauerzustand, sondern wurde abgelöst durch die Niedrigstzinsphase von null Prozent. Bewirkt das ein Einlenken bei den Propagandisten der privaten Vorsorge? Nein keineswegs, im Gegenteil. Prognos und Rürup gelten auch aktuell als die Rentenexperten. Lösungen werden bei Risikoanlagen und noch stärkerer staatlicher Förderung gesucht.


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Leserbrief zu Artikel »Riester-Rente ist tot«, UZ vom 30. August 2019





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