Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 6. September 2019

Angriffe
Die AfD und andere rechte Akteure haben Kultur als politisches Kampffeld seit einiger Zeit auf dem Schirm. Auch hier entwickelt ihr Versuch, die Bevölkerung zu polarisieren, leider eine gewisse Dynamik, denn Teile der Beschäftigten in der Kulturwirtschaft reagieren eher hilflos, die Medien berichten zwar, sind aber oft indifferent, die politisch Verantwortlichen in den Kommunen oder auch den Bundesländer lassen geschehen oder wollen nichts davon wissen. Die ARD-Sendung „ttt – titel, thesen, temperamente“ hat gemeinsam mit der „Süddeutschen Zeitung“ eine Liste erstellt, die die Angriffe der letzten zweieinhalb Jahre dokumentiert. Es sind – und sicherlich nicht vollständig – mehr als 45 Vorfälle von wüsten Aktionen vor Theatern und Museen, von Anträgen an Stadtverwaltungen bis zu Morddrohungen gegen Leiter von Kultureinrichtungen. Ein mittlerweile schon klassisches Repertoire an Vorwürfen: Es seien zu viele „Ausländer“ beschäftigt, es gebe eine „Vermischung“ der Kulturen, die „Rückgabe“ von als Raubkunst deklarierten Werken sei eine Verhöhnung deutscher Kolonialleistungen. Auch ist die AfD sehr daran interessiert, in den Kulturausschüssen mitzumachen oder noch lieber das kommunale Dezernat für Kultur und Bildung zu übernehmen.

Kino-Hits
Noch nie hat eine einzelne Filmproduktionsfirma einen Kinosommer in Nordamerika so dominiert wie Walt Disney Company. Rund die Hälfte aller Ticketverkäufe in den USA und Kanada entfielen in dieser Saison auf Filme, die die Firma in die Kinos brachte. Disneys größter Hit in diesem Sommer war „Der König der Löwen“, mit 1,56 Milliarden Dollar Erlös allein in diesen beiden Ländern und der Streifen nimmt damit derzeit Platz sieben der weltweit erfolgreichsten Filme aller Zeiten ein. Ebenfalls sehr erfolgreich waren „Avengers: Endgame“, „Toy Story 4“ und „Aladdin“. Disney hat sich durch seine hochkarätigen Zukäufe Lucasfilm, Pixar, Marvel und zuletzt 20th Century Fox in den vergangen Jahren zum absoluten Marktführer entwickelt. Ist nicht ganz unwichtig, wenn es um die großen Filmpreise wie den „Oscar“ geht. Die Aktie hat im vergangenen Jahr eine Rendite von 21,52 Prozent erzielt. Im Vergleich liegt die Aktie weit über dem Durchschnitt, für die Börse heißt es deshalb: Noch zugreifen, bevor sie zu teuer wird. Die genannten Filme beherrschten auch den deutschen Kinomarkt und liegen bis jetzt weit vor allen anderen neuen Filmen.

Lockerer Umgang
Schlechtes Zeugnis für die deutsche auswärtige Kulturpolitik: Sie habe ein Glaubwürdigkeitsproblem, heißt es in einer Studie vom Institut für Auslandsbeziehungen. Seit Jahrzehnten betreibt Deutschland mit seinen Goethe-Instituten, immerhin 159 Häuser weltweit, aktiv Kulturpolitik im Ausland. Offiziell ein gemeinnütziger Verein, hauptsächlich aber aus dem Etat des Auswärtigen Amtes finanziert. Viele Goethe-Institute sind selbst aber auch längst wichtige Treffpunkte für Kulturschaffende in diesen Ländern geworden. Dass dort auch geschult wird, wie man politisch-ideologische Kampagnen gegen die eigene Regierung führt, wird nicht bestritten, aber beim Einsatz für „freedom and democracy“ ist dies ein gewünschter Auftrag der Bundesregierung. Die Studie sagt es mit freundlicheren Worten: Die Bundesrepublik, gemeint ihre politisch Verantwortlichen, müsse erst einmal zu Hause aufräumen, um etwa in Sachen Demokratie ein Vorbild zu sein. Das fand großen Widerhall in den Medien, aber das Institut und das Auswärtige Amt reagieren ganz locker, denn die Studie gebe nicht die Einschätzung wieder, die allgemein im Lande herrsche. Das kleine, letzte Wort ist entlarvend: Wer herrscht, bestimmt auch, wie man beurteilen soll.


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