Kommunistische Partei und Arbeiterklasse

Die neue Bildungszeitung greift in die Debatte über Klassenpolitik ein
Von Hans-Peter Brenner, Leiter der Bildungskommission
|    Ausgabe vom 6. September 2019

Arbeiterklasse – gibt’s die noch? Na ja, was es auf jeden Fall gibt, ist die Jagd nach maximalem Profit, die Verwertung des Kapitals. Dafür werden Arbeitsplätze geschleift. Weltweit. Ohne Arbeit gibt es aber keine Kapitalverwertung, keinen Profit. Der kommt nur von der Arbeiterklasse, deren Angehörige auf den Baustellen des Kapitals ihr Leben und ihre Gesundheit zu Markte tragen dürfen. Aufklärung und Antworten werden verlangt – von der Partei der Arbeiterklasse.
Die Arbeiterklasse ist inzwischen derart zersplittert, Gegenwehr selten, dass die „Experten“ in ihren Studien glauben machen, die Arbeiterklasse sei ein Oldie von gestern. Es gebe sie nicht mehr. Wir treten dagegen auf, denn das ist eine Lüge. Kapitalismus funktioniert nur durch zwei Akteure, die Bourgeoisie oder Klasse des Kapitals und die Arbeiterklasse, und sie bedingen sich gegenseitig, es kann sie nur gemeinsam geben. Karl Marx und Friedrich Engels im Manifest der Kommunistischen Partei: „Die ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei große feindliche Lager, in zwei große, einander direkt gegenüberstehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat“.
Das Profitsystem zerstört die Arbeiterklasse, Umwelt und Klima, es produziert Krise und Krieg.
Das müssen wir verstehen und vermitteln, um für die Interessen der Arbeiterklasse eintreten zu können. Deshalb hat der DKP-Parteivorstand im Frühjahr seine Bildungskommission beauftragt, die Bildungszeitung „DKP und Arbeiterklasse heute“ herauszubringen.

Klassendefinition
Mit dem Einstiegskapitel der Bildungszeitung „Klassendefinition und ‚Klassenauftrag‘ ohne feste Schubladen“ greift das Bildungsmaterial die immer wieder neu aufgeworfene Kontroverse auf, ob es richtig sei, überhaupt noch von sozialen „Klassen“ zu sprechen. Wir fragen, was denn Klassen zu handelnden Objekten und zu „einer Klasse für sich“ macht. Wir vergewissern uns dabei anhand von zwei Grunddefinitionen; worüber wir bei „Klassen“ eigentlich reden und diskutieren.
Wir erinnern an eine simple und doch unmissverständliche Kenaussage aus dem „Manifest der Kommunistischen Partei“, die alles Nebulöse, was in diesem Zusammenhang über die Existenz von Klassen im Kapitalismus behauptet wurde, in wenigen Sätzen klarstellt. Wir belegen dies nicht zuletzt anhand des genialen theoretischen Kunststücks in Form einer minimalistisch anmutenden Fußnote von Friedrich Engels. Darin hat er Essenz ihrer Klassenanalyse so zusammengefasst: „Unter Bourgeoisie wird die Klasse der modernen Kapitalisten verstanden, die Besitzer der gesellschaftlichen Produktionsmittel sind und Lohnarbeit ausnutzen. Unter Proletariat die Klasse der modernen Lohnarbeiter, die, da sie keine eigenen Produktionsmittel besitzen, darauf angewiesen sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, um leben zu können.“ (Marx/Engels, MEW 4: S. 462, Fußnote).
Doch wir begnügen uns nicht mit diesen Beispielen aus dem „Abc des Marxismus“. Die Bildungszeitung greift nicht nur die aktuelle Debatte über das Verhältnis von „Arbeiterpolitik“ (im klassischen Sinne) und den aktuellen Diskussionen über das Verhältnis von „Klassenpolitik“ und den aktuellen Umweltthemen auf, sondern beschäftigt sich zusätzlich mit die Schwierigkeiten der Entwicklung der Bildung der „Klasse an sich“ zu einer politisch handlungsfähigen „Klasse für sich“. Der marxistisch-leninistische Klassenbegriff schließt unbedingt die Sichtweise auf die Bedingungen zur Herausbildung von politischem Klassenbewusstsein und der Organisiertheit der Klasse ein.

Arbeiterklasse heute
In seinem zweiten großen Block „Kapitalismus und Arbeiterklasse sind keine festen Kristalle“ behandelt das Bildungsmaterial die Auswirkungen der wissenschaftlich-technischen Revolution auf die innere Zusammensetzung der Arbeiterklasse von heute. Es diskutiert in diesem Zusammenhang vor allem auch die besondere Bedeutung des industriellen „Kerns der Klasse“ – nach Lenin die „Arbeiterklasse im westeuropäischen Sinne“ – für die Strategie, das Parteikonzept und das Verständnis von der „historischen Mission“ der Arbeiterklasse.
Statistische Daten über die aktuelle Zusammensetzung der Arbeiterklasse verdeutlichen die Haltlosigkeit des Geredes vom „Verschwinden der Arbeiterklasse“. Besondere Aufmerksamkeit gilt in diesem Zusammenhang der „Entindustrialisierung“ und der weitgehenden sozialen Deklassierung der Arbeiterklasse in der DDR im Gefolge der Konterrevolution von 1989/90. In diesem Zusammenhang werden Gründe für die Wirksamkeit reaktionärer Parolen und Parteien als Bestandteile einer internationalen Verunsicherung und auch eines Versagens sozialreformistischer „linker“ Politik dargestellt, die letztlich dazu dienen, die von den herrschenden immer eingesetzten Methoden zur Spaltung der Klasse zu ergänzen und zu vertiefen.
Die international verbreitete „linke“ These von der angeblichen „Regression“ der Arbeiterklasse wird zurückgewiesen.


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