Neues Ausbildungsjahr gestartet

Hunderttausende Lehrstellen fehlen
Von Florian Habekost
|    Ausgabe vom 13. September 2019
11 Prozent der Auszubildenden sind der Auffassung, selten oder nie einen Ausbilder vor Ort zu haben. (Foto: Knorr-Bremse AG)
11 Prozent der Auszubildenden sind der Auffassung, selten oder nie einen Ausbilder vor Ort zu haben. (Foto: Knorr-Bremse AG)

Zahlen aus dem Ausbildungsreport
56,1 Prozent der Auszubildenden wussten zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht, ob sie im Anschluss an ihre Ausbildung übernommen werden. Nur gut ein Drittel hatte bisher eine Zusage.
Gerade einmal 55,9 Prozent bezeichneten die fachliche Qualität des Berufsschulunterrichts als „sehr gut“ oder „gut“.
Ein knappes Drittel der Befragten hat das Gefühl, „nicht“ oder „eher nicht“ in der Ausbildung gut auf die Anforderungen der Digitalisierung in der zukünftigen Arbeitswelt vorbereitet zu werden.

Zum 1. August beziehungsweise zum 1. September haben ungefähr 500 000 junge Menschen ihre Ausbildung begonnen. Für viele von ihnen werden sich ihre Hoffnungen bezüglich einer guten Ausbildung nicht erfüllen. Häufig werden sie als billige Arbeitskräfte ausgenutzt, das belegt der Ausbildungsreport der DGB-Jugend vom August 2019. Hier zeigt sich, dass die Ausbeuter es mit den Gesetzen nur dann genau nehmen, wenn sie zu ihren Gunsten sind. Im Folgenden einige Beispiele.
36,4 Prozent der Azubis geben an, regelmäßig Überstunden leisten zu müssen. Dieser Wert ist seit 2013 ungefähr konstant. Nur zur Erinnerung: Gesetzlich sind Überstunden in der Ausbildung nur freiwillig zulässig und sie müssen dem Ausbildungszweck dienen. 11,9 Prozent der minderjährigen Azubis geben an, regelmäßig über 40 Stunden in der Woche arbeiten zu müssen. Im letzten Jahr waren es noch 10 Prozent. Ein wunderbares, wenn auch nicht legales Geschäft für ihre Chefs.
12,7 Prozent geben an, regelmäßig ausbildungsfremde Tätigkeiten leisten zu müssen. Dieser Wert steigt seit 2016 kontinuierlich. 11 Prozent geben an, selten oder nie einen Ausbilder vor Ort zu haben. Gerne werden die niedrigen Vergütungen damit begründet, dass die Azubis ja lernen und keine richtigen Arbeitskräfte seien.
57 656 Ausbildungsstellen blieben im vergangenen Jahr unbesetzt, und das Geschrei ist groß, wir brauchen neue Fachkräfte. Warum aber bleiben diese Ausbildungsstellen unbesetzt? Sind die Jugendlichen nicht qualifiziert?
Wenn man sich anguckt, welche Stellen unbesetzt bleiben, dann kann grob zusammengefasst werden: Das sind die, die schlecht bezahlt sind, überlange Arbeitszeiten aufweisen oder kaum erreichbar sind. Beispielhaft für besonders „betroffene“ Branchen ist das Hotel- und Gaststättengewerbe ebenso wie der Einzelhandel.
Gleichzeitig waren laut DGB-Ausbildungsreport 78 619 junge Menschen Ende September 2018 auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. In dieser Ausbildungsrunde gingen sie leer aus, das waren 14,7 Prozent aller Bewerber. Dazu kommen noch die etwa 300 000 Jugendlichen, die in den verschiedenen Maßnahmen der „Arbeitsagentur“ geparkt wurden, um die Statistik zu schönen. Es gibt also weiterhin zu wenige Ausbildungsplätze

Zahlen aus dem Ausbildungsreport
56,1 Prozent der Auszubildenden wussten zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht, ob sie im Anschluss an ihre Ausbildung übernommen werden. Nur gut ein Drittel hatte bisher eine Zusage.
Gerade einmal 55,9 Prozent bezeichneten die fachliche Qualität des Berufsschulunterrichts als „sehr gut“ oder „gut“.
Ein knappes Drittel der Befragten hat das Gefühl, „nicht“ oder „eher nicht“ in der Ausbildung gut auf die Anforderungen der Digitalisierung in der zukünftigen Arbeitswelt vorbereitet zu werden.


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Leserbrief zu Artikel »Neues Ausbildungsjahr gestartet«, UZ vom 13. September 2019





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