Keine Beweise für das Gegenteil

USA beschuldigen nach Angriff auf Saudi-Arabien den Iran
Von Manfred Ziegler
|    Ausgabe vom 20. September 2019
Ein Drohnenangriff zerstörte einen beträchtlichen Teil der saudischen Ölinfrastruktur.
Ein Drohnenangriff zerstörte einen beträchtlichen Teil der saudischen Ölinfrastruktur.

In einem massiven Angriff zerstörten nach Angaben der jemenitischen Ansar Allah (eine religiös-politische bewaffnete Bewegung) zehn ihrer Drohnen einen beträchtlichen Teil der saudischen Ölinfrastruktur. Einrichtungen des staatlichen Ölkonzerns Aramco in Abqaiq im Osten des Landes und in einem weiteren Ölfeld wurden so sehr beschädigt, dass die Produktionskapazität des Landes vorübergehend um 50 Prozent reduziert wird. Ein so schwerer Angriff auf die Ölproduktion Saudi-Arabiens war im Drehbuch zum Krieg gegen den Jemen nicht vorgesehen. Der Angriff vom 14. September traf mitten ins Herz des Königreiches. Trump droht mit Vergeltung.
Seit mehr als vier Jahren führt eine Koalition unter Führung Saudi-Arabiens – mit Unterstützung der USA und europäischer Staaten – Krieg gegen den Jemen und die Ansar Allah. Luftangriffe haben die Infrastruktur des Landes zerstört, ein Embargo führte zu einer humanitären Krise – Cholera und Hunger peinigen die Bevölkerung. Millionen sind auf ausländische Hilfe angewiesen. Verhandlungen um einen Waffenstillstand unter der Ägide der UN hatten zu keinem sichtbaren Ergebnis geführt.
Jahrelang war der Krieg auf den Jemen begrenzt, fielen die Bomben auf Sanaa – und nicht in Saudi-Arabien. In den letzten Monaten jedoch verstärkten sich Angriffe auf saudisches Gebiet. Die dabei bisher gemeldeten Schäden hielten sich in Grenzen. Der letzte Angriff änderte alles. Die Brände in den Anlagen waren weithin zu sehen, Videos davon wurden umgehend auf Twitter verbreitet.
Aramco erklärte, dass mehr als die Hälfte der Ölproduktion Saudi-Arabiens vorübergehend ausgesetzt wird. Um Lieferengpässe zu vermeiden, werden wohl die Vorräte Saudi-Arabiens und die strategischen Reserven der USA und anderer Staaten eingesetzt.
Je nachdem, wie lange die Reparaturarbeiten andauern werden, ist zu erwarten, dass der Ölpreis steigt. Für die USA kein Nachteil, gehören sie doch mittlerweile zu den ölexportierenden Staaten.
Der Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) betonte, dass die Sicherheit Saudi-Arabiens und die der VAE untrennbar verbunden seien. Und das im Wissen, dass ihre Milizen im Kampf um den Jemen sich in den Straßen der Hafenstadt Aden gegenseitig bekämpfen.
Auch nach dem Rauswurf des Präsidentenberaters Bolton bleibt der Iran im Fokus der US-Politik. Außenminister Pompeo sprach auf Twitter von einem noch nie dagewesenen Angriff auf die Energieversorgung der Welt. Und behauptete umgehend, nicht die Ansar Allah, sondern der Iran habe die Angriffe verübt. Es gebe keinen Beweis für das Gegenteil, also könne nur der Iran den Angriff durchgeführt haben.
Die Ursache des Fiaskos – der Krieg gegen den Jemen und die Ansar Allah – bleibt indessen bestehen. Zwar ziehen sich die VAE aus diesem Krieg zurück, weil er nicht zu gewinnen sei. Doch Saudi-Arabien unter Kronprinz Salman setzt den Krieg unvermindert fort.
Der Sprecher der Ansar Allah betonte, dass der militärische Erfolg auf der Zusammenarbeit mit Gruppen innerhalb Saudi-Arabiens beruhte. Und weitere Angriffe werden folgen, solange Saudi-Arabien den Jemen bombardiert. Eine Warnung, die Riad nun ernst nehmen muss. Andernfalls könnte aus einem „Krieg, der nicht zu gewinnen ist“ endlich das Ende der Herrschaft des Kronprinzen werden.
Seit Jahrzehnten bedrohen die USA den Iran. Sie unterstützten den irakischen Präsidenten Saddam Hussein in seinem Krieg gegen den Iran und überzogen das Land mit Sanktionen, mehr Sanktionen und immer härteren Sanktionen. „Echte Männer gehen nach Teheran“ war der Slogan der Neoliberalen vor dem Irakkrieg. Kommt jetzt die Stunde der „echten Männer“?


  Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (leserbriefe@unsere-zeit.de):

Leserbrief zu Artikel »Keine Beweise für das Gegenteil«, UZ vom 20. September 2019





Wir bitten darum, uns kurze Leserzuschriften zuzusenden. Sie sollten unter der Länge von 1800 Zeichen bleiben. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen und kann nicht versprechen, dass jeder Leserbrief beantwortet oder veröffentlicht wird. Anonyme Leserzuschriften werden in der Regel nicht veröffentlicht.