US-Army hat mit deutschem Arbeitsrecht nichts am Hut

DGB kritisiert Arbeitsbedingungen in den „Tower Barracks“

Von Gerhard Ziegler

Der DGB-Kreisverband Coesfeld erhebt schwere Anschuldigungen hinsichtlich der Arbeitsbedingungen im US-Standort „Tower Barracks“ in Dülmen. In den Tower Barracks wurden ungereinigte Fahrzeuge aus Afghanistan, Kuweit und anderen Einsatzgebieten angeliefert. In den angelieferten Fahrzeugen habe es eine weiße Staubschicht gegeben. Aus welchen Stoffen sich diese Schicht zusammensetzte, erfuhren die Beschäftigten nicht. Die Fahrzeuge wurden in Dülmen gereinigt, abgeschliffen und für die neuen Einsätze neu lackiert.

Auf einer Pressekonferenz am vergangenen Freitag führte der Dülmener DGB-Vorsitzende Ortwin Bickhove-Swiderski aus, dass der Gewerkschaft mehrere verbindliche Aussagen von Beschäftigten und ehemaligen Beschäftigten in den „To­wer Barracks“ vorliegen. Im Tenor seien die Aussagen deckungsgleich, es geht um schwere Verstöße gegen den Arbeitsschutz.

Die konkreten Vorwürfe lauten:

H Vorgeschrieben sei, dass nach zwei Stunden Schleifen eine Pause zu erfolgen hat. In den Tower Barracks hätten die Beschäftigten bis zu elf Stunden durcharbeiten müssen. In dieser Zeit seien keine Ventilatoren in den Einrichtungen angeschlossen.

H Der Arbeitgeber habe unzureichende Schutzanzüge und Schutzmasken verteilt. Der vor einem Arbeitsgericht klagende Vorarbeiter David Wright Paterson musste mehrmals ohne Schutzkleidung in den Lackierzelten Tätigkeiten verrichten, auf seinen mehrmaligen Protest hin wurden ihm Einmalmundschutz wie bei einer Grippewelle ausgehändigt.

H Insgesamt seien 18 Kollegen beim Ausladen von Holzkisten mit elektrischen Verteilerkästen über vier Wochen sechs bis sieben Stunden täglich mit Cadmiumdioxid kontaminiert worden. Der Chef habe erklärt, die Beschäftigten sollten sich nicht so anstellen, schließlich hätten sie nicht in dem Zeug gebadet. Die Kisten seien draußen auf dem Gelände gelagert worden, ohne Dekontaminierung. Das Cadmium ist somit in die Luft und in das Dülmener Grundwasser eingedrungen. Es fehle an Abscheidevorrichtungen.

H Es habe sich zwei Tage vorher ein Inspekteur angekündigt. Die Beschäftigten mussten die verseuchten Kisten auseinanderschlagen und in das Gebäude Nr. 31 bringen. Dem Inspekteur wurde ein poliertes Gerät vorgeführt, er sei dann abgezogen. Dieses Gebäude 31 ist von außen nicht zugänglich. Es war aber nach oben nicht gesichert, somit konnten Sonne, Wind und Regen an das Cadmium.

Die Beschäftigten vermissen eine regelmäßige Kontrolluntersuchung. Generell herrsche ein Klima der Angst, der Unzufriedenheit, auch bedingt durch Tätigkeiten für Subunternehmen. Alle hätten Angst um ihren Arbeitsplatz.

Vor vier Wochen sei die gesamte Fahrzeugreinigung, das Abschleifen und die Lackierung in das Depot Mannheim verlegt worden. In den Niederlanden hat sich eine Initiative von ehemaligen Beschäftigten gegründet, die gegen die US-Army gerichtlich vorgeht. Diese sind durch Tätigkeiten mit Chrom 6 schwer erkrankt und ca. 100 ehemalige Beschäftigte sind an den Spätfolgen bereits verstorben.

Cadmium verursacht bei Einatmung Reizungen und Schäden der oberen Luftwege, Lungenentzündungen, aber auch Nieren- und Leberschäden bis hin zu Karzinomen.

Der DGB Kreis Coesfeld fordert die US-Army auf, zu diesen schweren Vorwürfen Stellung zu beziehen. Noch am 16. Januar 2017 verkündete vollmundig Colonel Rodney H. Honeycott gegenüber der Lokalpresse: „Wir haben nichts zu verbergen.“

Ein weiteres Problem für Gewerkschaften ist die unübersichtliche Lage von Subunternehmen (URS, AE.Com, M+E, Pecom GmbH, Nolte, Ponds usw.). Die Beschwerdeführer bemängeln, dass sie mit der Army wenig zu tun hätten. Der Stress wird ihnen von dem zivilen Generalmanager gemacht. Der US-Army scheint dieses System ganz recht zu sein, weil man dann für Außenstehende durch die Vielzahl der Firmen solche Arbeitsbedingungen vertuschen kann. Dadurch wird auch jede Organisation der Arbeitnehmer erschwert bzw. unmöglich gemacht.

Der DGB Kreisverband Coesfeld fordert unter anderem:

Das Amt für Arbeitsschutz muss tätig werden. In Deutschland und auf deutschem Boden gilt deutsches Arbeitsrecht und deutscher Gesundheitsschutz.

Landesarbeitsminister Laumann soll diesen Vorgängen nachgehen. Die Bezirksregierung muss jetzt tätig werden.

Eine sofortige medizinische Untersuchung muss bei allen Beschäftigten, sowohl Zivile als auch Militär, durchgeführt werden.

Eine strenge Kontrolle der Tower Barracks auf Einhaltung von Gesundheitsschutz, Arbeitsschutz und Umweltschutz muss zum Wohle der dortigen Beschäftigten, aber auch der Dülmener Bevölkerung, erfolgen.

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"DGB kritisiert Arbeitsbedingungen in den „Tower Barracks“", UZ vom 20. Juli 2018



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