Kultursplitter

Umbau

Der Konzertsaal der New-Yorker Philharmoniker soll umgebaut werden. Nicht zu verwechseln ist der Bau mit der berühmten Carnegie-Hall, die früher dem Orchester als Spielort diente. Der Umbau des Saals ist schon seit längerem in Planung, Aussehen und Akustik werden seit der Eröffnung 1962 kritisiert. Damals musste es schnell gehen, denn die „alte“ Carnegie-Hall stand kurz vor der Schließung. Notwendig sind nun zwei wesentliche Erneuerungen: Mehr Platz für die Zuhörer soll durch eine neue Anordnung der Sitzreihen rund um das Orchester geschaffen werden und die Decke wird angehoben, um endlich eine internationale Vergleiche nicht scheuende Akustik zu bekommen. Die Arbeiten an dem in Manhattan stehenden Gebäude sollen 2022 beginnen und Anfang März 2024 beendet sein, so ein Sprecher des Orchesters. Die Kosten für die Arbeiten werden auf rund 550 Millionen US-Dollar geschätzt. Die Finanzierung erfolgt, wie üblich in den USA, zum großen Teil über Spenden, bislang wurden etwa 360 Millionen US-Dollar zugesagt. Alles, was in New York meint, dazu zu gehören (also die Reichen und die Berühmten), hat sich beteiligt. Die Stadtverwaltung sammelt erstmal ein und will dann zuschießen. Abwarten.

Neubau

Die Berliner Bauakademie soll wieder aufgebaut werden. Das von Karl-Friedrich Schinkel entworfene Gebäude in Berlin-Mitte aus den Jahren 1832 bis 1836 wurde bei Kriegsende 1945 zerstört. Seitdem tat sich lange nichts, nun soll auch diese Baulücke geschlossen werden. Als Gründungsdirektor haben Bund und Land Berlin den SPD-Politiker Florian Pronold ausgeguckt, was ihn für diesen Job qualifiziert, ist die Frage. In einem offenen Brief kritisieren über 200 Architekten und Städteplaner die Personalentscheidung, sie schreiben: „Herr Pronold hat weder Architektur noch Kunstgeschichte studiert, er hat keinerlei kuratorische Erfahrungen, er hat keinerlei Publikationsliste vorzuweisen über das ganze Thema, er hat bisher kein Haus geleitet, und hat daher auch keine Berufserfahrungen auf diesem Gebiet. Er hat lediglich Erfahrungen als Berufspolitiker.“ Da bisher noch völlig unklar ist, was in der Bauakademie geleistet werden soll, und weil natürlich die Finanzierung mit bisher 62 Millionen Euro bestimmt nicht ausreicht, ist Pronold als Prellbock besser geeignet als irgendein qualifizierter Fachmann. Pronold hat die politischen Entscheidungsprozesse für den Neubau wesentlich geleitet, das reicht den Kulturpolitikern allemal aus.

Schöner Schein

Vor hundert Jahren, am 3. Dezember 1919, starb Auguste Renoir in Cagnes-sur-Mer (Provence) im Alter von 78 Jahren. Er gilt als einer der wichtigsten Maler des 19. Jahrhunderts, gemeinsam mit Claude Monet, Alfred Sisley und Frédéric Bazille gründete er 1874 die „Société anonyme des artistes“, die selbst organisierte Keimzelle des Impressionismus. Renoir kam aus sehr bescheidenen Verhältnissen, er begann als Porzellanmaler und arbeitete sich erst langsam vor zum Porträtmaler der französischen Bourgeoisie. Bei ihm verband sich Talent und handwerkliches Können mit einer viele Jahre dauernden Zähigkeit, an die gut bezahlten Aufträge zu kommen. Dafür gab er seine realistische Sicht auf Menschen und Landschaften auf, um den „schönen Schein“ zu gestalten. Renoir selbst verstand sich zu dieser Zeit mehr als Handwerker und nicht als Künstler. Dabei löst sich Renoir von der bisherigen Malweise und findet zu seinem eigenen freien Stil zurück. In der Mediathek von Arte ist der kluge, mit vielen Preisen ausgezeichnete Spielfilm von Gilles Bourdos noch abrufbar. Bei den Kunstbüchern ist der Band „Renoir – Maler des Glücks“ aus dem Taschen-Verlag zu empfehlen.

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Über den Autor

Herbert Becker (Jahrgang 1949) hat sein ganzes Berufsleben in der Buchwirtschaft verbracht. Seit 2016 schreibt er für die UZ, seit 2017 ist es Redakteur für das Kulturressort.

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"Kultursplitter", UZ vom 6. Dezember 2019



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