Zu „Bis zur letzten Konsequenz“, UZ vom 22. Juli

Nicht mit gleichen Mitteln

Bernhard Trautvetter, Essen

Bruno Mahlows Formulierung „bis zur letzten Konsequenz“ kalkuliert die Überschreitung der Nuklearschwelle mit ein – nach einer letzten Konsequenz kann nichts mehr kommen.

Ich erinnere mich daran, dass ich als Grundschüler 1962 hunderte Kilometer von zu Hause entfernt war und wegen der Kuba-Krise die Angst spürte, ich würde meine Eltern in diesem Leben vielleicht nicht mehr wiedersehen. Damals ging es darum, dass die USA nukleare Arsenale unweit ihrer Südgrenze nicht akzeptierten, was die NATO inzwischen unverhohlen in Europas Gebieten nahe der russischen Westgrenze umgekehrt aufbaut. Die Friedensbewegung ist eine antimilitaristische und Anti-Atom-Bewegung. Bruno Mahlow kritisiert einerseits die NATO zu Recht, indem er auf Seiten ihrer Strategen ein Vorgehen sieht, das für den Erfolg über Russland „bis zum letzten Ukrainer“ geht.

In der Tat wollen diese Kräfte die Niederlage Russlands ‚um jeden Preis‘ – „at any cost“ –, das geht bis zur Option des nuklearen Infernos. Wenn Strategen der NATO die Möglichkeit selbst einer nuklearen Apokalypse einkalkulieren, ist das höchste Alarmstufe für die Kräfte des Friedens, des Überlebens und der Zukunft. Diese Strategie allerdings mit genau den gleichen Mitteln zu bekämpfen schwört das unkalkulierbare Risiko des Abtretens der Menschheit vom Planeten Erde herauf. Das ist für die Friedensbewegung sowie für die Kräfte, die in der Tradition der Arbeiterbewegung die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung und damit der Menschheit durchzusetzen angetreten sind, inakzeptabel. Es widerspricht dem Interesse eines jeden Lebenden und jenen, die auf die gegenwärtigen Generationen folgen können sollen.

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"Nicht mit gleichen Mitteln", UZ vom 29. Juli 2022



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