Zu „Die Eheleute Stiffel waren ein außergewöhnliches Paar“, UZ vom 5. Februar

Stiffels Vermächtnis

Ortwin Bickhove-Swiderski, Dülmen-Rorup

Im Jahre 1978 war ich der politische DGB-Sekretär im Kreis Wesel. Dort lernte ich persönlich das Ehepaar Stiffel kennen. Es entwickelten sich sehr gute Gespräche. (…) Karl Stiffel gründete die „Initiativgruppe für die Rehabilitierung der Opfer des Kalten Krieges“. Das ist das politische Vermächtnis der Familie Stiffel. Karl hat umfangreiche Akten über die Opfer des Kalten Krieges, über Verdächtige, über Abgeurteilte bundesweit zusammengetragen und abgeheftet. (…) Die UZ hatte dazu vor Jahren schon einmal ein Heft erstellt unter dem Titel „Die verdrängte Schuld der Republik“, später wurde eine überarbeitete Auflistung von der VVN-BdA erstellt. Es wurden etwa 50 Fallbeispiele von Betroffenen vorgestellt. Besonders hat mich beschäftigt die „Aburteilung von Herbert Wils, Hagen“: „Er wird abgeurteilt weil er von einem anonymen Zeugen beschuldigt wird, das Lied der FDJ angeblich gepfiffen zu haben.“ Für dieses „schwere Vergehen“ bekommt er 30 Monate Gefängnis. Davor hatte er wegen „Unterwanderung der Gewerkschaften“ über 18 Monate Gefängnis erhalten. Nach den mir zugänglichen Unterlagen und Dokumenten hat er nie eine Rehabilitation erfahren. Somit fehlten auf dem Rentenkonto mehrere Jahre. Auch die unsäglichen Berufsverbote ab dem Jahre 1972 jähren sich bald zum 50. Mal. Ein guter Anlass, auch in der UZ auf die vielen Fälle des Unrechts zurückzukommen und an die Opfer zu erinnern – im Sinne der Stiffels.

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"Stiffels Vermächtnis", UZ vom 12. Februar 2021



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