Montag früh, kurz nach 6 Uhr, die Handy-Schlagzeilen: „Im Würgegriff des Iran-Kriegs“ (N-TV), „Iran-Krieg löst Energiekrise aus“ („Tagesspiegel“), „Drei Iran-Raketen abgefangen: Ist der Türkei-Urlaub 2026 noch sicher?“ („Augsburger Allgemeine“). Direkt darunter: eine Werbeanzeige von „expedia“: „Reise in den Nahen Osten und weiter. Jetzt buchen!“. Die KI meines Handys beweist immerhin Humor. Für mich verdichtet sich all die interessengeleitete Doppelmoral bundesdeutscher Kriegsberichterstattung seit Längerem in einer Frage: Wieso heißt es eigentlich „Iran-Krieg“, „Irak-Krieg“, „Afghanistan-Krieg“, „Jugoslawien-Krieg“, aber immer noch „Krieg GEGEN die Ukraine“?

Lieber an etwas Schönes denken: Dieses Jahr beteiligten sich an Demonstrationen zum 8. März, dem Internationalen Frauentag, in Bayern weit über 10.000 Menschen. Allein in Nürnberg waren wir über 4.000, und es werden jedes Jahr mehr. Wobei auch das bei genauem Hinsehen mindestens eine zweischneidige Meldung ist. Bedeutet sie doch auch, dass es nach wie vor und wieder verstärkt Gründe gibt, am 8. März zu protestieren. Außer ein paar bunten Bildern war das Thema „Frauenkampftag“ den lokalen Medien in Nürnberg keine Berichterstattung wert. Stattdessen kommentierte die „Nürnberger Zeitung“: „Ein einseitig linker, auf traditionelle Feindbilder fixierter Feminismus, wie er mit dem Internationalen Frauentag zelebriert wird, kann der Komplexität globaler weiblicher Befindlichkeiten und Bedürfnisse nicht gerecht werden.“ Selbst der Papst der Katholischen Kirche, qua Funktion und Amt nicht unbedingt ein feministischer Vorkämpfer, nahm den 8. März zum Anlass, Gewalt gegen Frauen, auch und gerade in Paarbeziehungen, als „Quelle großen Leids“ zu verurteilen. Ein Standard der Kritik, von dem wir in Bayern dank CSU-Prägung und AfD-Aufschwung offenkundig weit entfernt sind. Passend dazu brachte der Bayerische Rundfunk am Stichwahl-Sonntag der Kommunalwahl einen Beitrag über die Vernetzung von Stadträtinnen. Von Grünen über Freie Wähler bis zur CSU sind alle Frauen über Parteigrenzen hinweg in ihrer Fraulichkeit vereint. Die politische Einstellung wird zur Nebensache.
Doch wer glaubt, sich generell durch vermeintlich unpolitische Gesten wie etwa das Verschenken von Blumen zum Valentinstag aus der Affäre ziehen zu können, der irrt. Auch wer Blumen verschenkt, statt zu demonstrieren, ist vor der bayrischen Polizei nicht sicher: Ihren Kontrollwahn ließen sie am Valentinstag an mehreren schwarzen Jugendlichen aus, die mit Blümchen und Rosen in der Hand am Hauptbahnhof nach Drogen durchsucht wurden. Nur weil jemand fünfzehn ist und frisch verliebt, heißt das ja schließlich noch lange nicht, dass er unschuldig ist.
Grundsätzlich kann es angesichts von Krieg, Unterdrückung, Leid und Kapitalismus gar nicht genug Protest, aber auch nicht genug verschenkte Blumen geben, um unseren vielseitigen Kampf gegen all das Unrecht in der Welt (auch das in der Blumenproduktion) mit ein paar bunten, schönen Momenten anzureichern.
Apropos unschuldig: Die Tatsache, dass 24 Hausdurchsuchungen gegen 30 Beschuldigte in Nürnberg aus offenkundig nichtigem Anlass richterlich abgesegnet wurden, zieht weiter Kreise. Ein Artikel des Bayerischen Rundfunks zitiert Polizeibeamte, die offen zugeben, die Durchsuchungen hätten nur der Einschüchterung der Betroffenen gedient. Gleichzeitig werden besonders Genossinnen und Frauen von USK-Beamten gerade in den letzten Monaten verstärkt mit Aussagen wie „Dich Schlampe kriegen wir auch noch!“ konfrontiert. Gegen solches Verhalten helfen keine Blumen, nur aktiver Widerstand und Solidarität.
Lächeln muss ich dennoch, wenn mein dreijähriger Neffe auf die Frage, was er sich vom Osterhasen wünscht, nach einigem Überlegen voller Inbrunst antwortet: „Blumen!“ Soll er kriegen. Der von mir für ihn favorisierte Weltfrieden lässt gerade noch etwas auf sich warten.


