Antikommunisten wissen: Der Kampf um die Köpfe beginnt mit dem Verleumden von Antifaschismus und kommunistischem Widerstand. Wer den ursächlichen Zusammenhang von Kapitalismus und Faschismus belegen kann, wer Profitinteressen hinter der Machtübergabe an Hitler und der Zwangsarbeit und Sklavenhaltung im KZ-System nachweist, bleibt in der BRD ein Staatsfeind. Er bringt zu viele Jugendliche auf einen linken politischen Weg.
Buchenwald geriet nach 1990 sofort in das Zentrum staatsnaher Kulturkämpfer. Nach ihnen hatte die DDR aus der KZ-Gedenkstätte einen Staatsmythos gemacht. Das System der kommunistischen Funktionshäftlinge, die mit der SS gleichgesetzt wurden, sei verschwiegen und nur der Widerstand von Kommunisten gewürdigt worden. Die Selbstbefreiung am 11. April 1945 unter Führung des von Kommunisten geleiteten illegalen Lagerkomitees hat es demnach nie gegeben.
Das wurde von Historikern und den ehemaligen Häftlingen, die noch lebten, immer und immer wieder widerlegt. Am BRD-Konzept für die Gedenkstätte änderte das nichts und auch nicht daran, dass Literatur, die den DDR-Antifaschismus am Beispiel Buchenwalds niedermacht, staatlich hoch dotiert wird. Schließlich gehört zum Gründungsmythos der BRD: Die gesamte deutsche Bevölkerung war schuld am Faschismus, Monopole hatten kaum Einfluss, weswegen sie nach 1945 flugs mithilfe der USA und Britanniens wiederhergestellt werden konnten.
Das bestimmt bis heute den Kulturkampf, den regierende Konservative und ihre Gefolgschaft aus geschäftstüchtigen DDR-Hassern um und gegen das Gedenken in Buchenwald führen. In diesem Jahr soll die Feier am 12. April offenbar als eine Art Siegesfeier zelebriert werden. Jedenfalls lud sich der Kunst-und-Kultur-Banause und deswegen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer selbst als Redner ein. Am Montagabend berichtete aber „DPA“, dass ihn die Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora und die Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora in einem offenen Brief zum Fernbleiben aufgefordert haben. In dem Brief heißt es: „Tatsächlich haben wir Sie und Ihre inhaltlichen Positionen in den vergangenen Jahren nicht so wahrgenommen, dass Sie sich mit dem Vermächtnis der Überlebenden von Buchenwald und anderer Lager positiv beschäftigt hätten.“ Und weiter: „Auch ihre aktuelle Politik, insbesondere der Ausschluss der drei nominierten Buchläden aus der Preisverleihung des Buchhandlungspreises, lässt uns daran zweifeln. Wir sind überzeugt davon, unsere Angehörigen hätten auch zum Kundenkreis der drei Buchläden gehören können. Bei Verhaftungen durch die Gestapo wurde bei ihnen nachweislich linke Literatur beschlagnahmt.“
So weit, so klar, aber ein Weimer kommt nie allein. Seit einigen Tagen sind die Bürgerfeuilletons voll von zumeist lobenden Besprechungen eines neuen Buches von Ines Geipel: „Landschaft ohne Zeugen – Buchenwald und der Riss in der Erinnerung“. Laut „Welt“ hat sie darin „Die Gründungslüge eines besseren Deutschlands“ entlarvt. Die „Süddeutsche Zeitung“ bescheinigt ihr, sie habe den antifaschistischen „Staatsmythos“ der DDR, der in Buchenwald jahrzehntelang gepflegt worden sei, „zertrümmert“. Das ist zwar schon einige Dutzend Mal geschehen, scheint aber immer wieder nötig.
Geipel, die bis vor einigen Jahren ihr Brot vor allem als nachträgliche Bekämpferin des Dopings in der DDR erwarb, scheiterte in dieser Branche des Gewerbes und wurde 2022 vom „Spiegel“ als „Hochstaplerin“ bezeichnet. Ihre neue Geschäftsidee hat offenbar dieselben Grundlagen wie die alte. Sie ist die ideale Ergänzung zum lügenden Weimer.


