Honorare für Psychotherapeuten sinken

Als Bundeskanzler Friedrich Merz im Februar darüber sprach, dass die Deutschen im Schnitt 14,5 Tage im Jahr krankgeschrieben sind, tat er es auf seine typisch einfühlsame Art: „Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?“ Nein, ist es natürlich nicht. Zu den Haupttreibern gehört die Zunahme psychischer Erkrankungen. Kapitalismus und Kriegspolitik zehren aus, treiben in den Ruin und in die Verzweiflung. Nun könnte man an der Überwindung dieser Krankmacher arbeiten – oder man macht es wie die gesetzlichen Krankenkassen und kürzt einfach bei der Therapie. Um 4,5 Prozent sollen die Honorare für Psychotherapeuten sinken. Das wird dazu führen, dass gesetzlich Versicherte kaum noch Termine bekommen, warnen die Berufsverbände. Aber keine Sorge, in den Ländern wird schon an einer Lösung gearbeitet. In Hessen will man schon länger ein Register für psychisch Kranke als potentielle „Gefährder“ einführen. In Niedersachsen soll eine angeordnete Unterbringung bald nicht mehr nur bei akuter Gefahr, sondern auch bei „Dauergefahr“ möglich sein. Dann dürfte Kanzler Merz zufrieden sein: Wer Gefahr läuft, registriert zu werden, lässt sich vielleicht auch nicht krankschreiben. Und wozu Therapieplätze, wenn man auch einsperren kann?

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"Honorare für Psychotherapeuten sinken", UZ vom 27. März 2026



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