Die „Z.“ beschäftigt sich mit BRICS+

Neue Weltordnung

„Die ‚ehemaligen Hinterländer des Kapitals‘ (Luxemburg) erkennen die Oberhoheit des Westens nicht mehr an, gehen ihre eigenen (kapitalistischen) Wege. Das wollen die ‚Vorderländer‘ des Kapitals nicht akzeptieren und instrumentalisieren die Außenwirtschaftsbeziehungen zu machtpolitischen Zwecken – dem können auch ‚Freunde‘ zum Opfer fallen.“

Mit diesen zwei Sätzen fasst die Redaktion der „Z. – Zeitschrift marxistische Erneuerung“ die sich verändernde Weltlage im Editorial der neuen Ausgabe treffend zusammen. Die Bedeutung dieser Veränderung ist unter Marxistinnen und Marxisten, also auch in der DKP, umstritten. Die Autoren geben in ihren Beiträgen keine endgültigen Antworten. Ihre Texte können helfen, die Debatte zu qualifizieren.

121 - Neue Weltordnung - Frédéric Boccara, Joachim Becker, Jörg Goldberg, Jule Kettelhoit, Mario Candeia, Z. – Zeitschrift marxistische Erneuerung - Theorie & Geschichte

Jule Kettelhoit und Jörg Goldberg liefern einen Überblick über die Entwicklung der BRICS-Gruppe. Sie machen in ihr keinen „Gegenpol“ zur G7-Weltordnung aus, dennoch würde die Gruppe die derzeitige westliche Vorherrschaft nicht einfach akzeptieren. Sie betonen die Bedeutung der BRICS für die nationale Souveränität des Globalen Südens.

Den vier BRIC-Gründerländern werden einzelne Texte gewidmet. Die Autoren untersuchen darin die Inte­ressenlagen und die sich daraus ergebende Außenpolitik von China, Indien, Russland und Brasilien. Vermutlich ein Ausdruck der Schwäche der Analyse der Entwicklungen auf dem afrikanischen Kontinent ist das Fehlen eines Beitrags zur Situation in Südafrika.

Einen Schwerpunkt im Schwerpunkt hat die Redaktion auf die Frage der Ablösung des US-Dollars als westliches Machtinstrument gelegt. Angesichts der Bedeutung der US-Währung für die Dominanz und die Couponschneiderei des US-Monopolkapitals eine richtige Entscheidung. Joachim Becker beleuchtet die Bemühungen und Schwierigkeiten zur Etablierung unabhängiger Finanz- und Zahlungsmechanismen. Die „Flucht in das Gold“ deutet er als Anzeichen für das Ende der weltweiten Dollarhegemonie. Eine demokratische Weltwirtschaftsordnung hängt für Frédéric Boccara von der Ablösung des US-Dollars und der Etablierung einer gemeinsamen Weltwährung ab.

Aufmerksamkeit verdient ebenfalls Mario Candeias Beitrag zum 90. Jahrestag der Volksfront in Frankreich. Er setzt sich kritisch mit den Wiederbelebungsversuchen in Frankreich auseinander. Vor allem macht er auf eine Entwicklung aufmerksam: In der historisch kurzen Etappe der französischen Volksfront wurden derart viele Gesetze im Inte­resse des Volkes geschaffen, dass das französische Monopolkapital bis heute an ihnen knabbern müsse. Gleiches gelte für die Volksfrontregierungen in anderen Ländern. Das lohnt, weiter untersucht zu werden.

„Z. Zeitschrift marxistische ­Erneuerung“, Ausgabe 145, „BRICS+“, ­Einzelausgabe: 10 Euro

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"Neue Weltordnung", UZ vom 27. März 2026



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