Am vergangenen Donnerstag ist in der dritten Verhandlungsrunde für den neuen Sana-Konzerntarifvertrag eine Einigung erzielt worden. Im Vorfeld hatten Streiks in Lichtenberg, in Borna und Wismar stattgefunden. An weiteren Standorten gab es aktive Mittagspausen. Bei einer Laufzeit von 27 Monaten bis April 2028 soll es in mehreren Schritten Entgelterhöhungen geben. Nach drei Nullmonaten folgen 3 Prozent ab April, 2,5 Prozent im Juni 2027 und 1 Prozent im Februar 2028. Die Mindesterhöhung liegt bei 220 Euro. Gefordert hatten die Beschäftigten 8,6 Prozent und mindestens 350 Euro.
Für Auszubildende, Hebammen sowie die Beschäftigten in den Bereichen Endoskopie und Reha wird es leichte Verbesserungen geben. Neu ist in dieser Tarifrunde, dass es Veränderungen bei den Zuschlägen gibt. Im Vorfeld hatte die Geschäftsführung Druck gemacht in Richtung Flexibilisierung. Die Wechselschichtzulage sollte weg, die zusätzlichen Schichturlaubstage waren damit ebenfalls gefährdet. Das konnte abgewendet werden. Eingeführt wird ein Samstagszuschlag, den es in vielen anderen Tarifverträgen längst schon gibt. Außerdem werden die Zuschläge für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit erhöht. Wie sich das tatsächlich finanziell auswirkt, muss sich noch bei der Anwendung an konkreten Schichtplänen zeigen. Am Ende werden Schichtarbeitende durch die Zuschläge ein etwas höheres Einkommen erzielen.
Die Tabellenerhöhung erscheint vielen Beschäftigten nicht überzeugend. Natürlich ist der Abschluss im konkreten tariflichen Umfeld zu betrachten. Analog zum Abschluss im Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) gibt es auch hier eine lange Laufzeit und überschaubare, gestaffelte Lohnerhöhungen. Etwas lockerer saß das Geld bei den Erhöhungen für kleinere Beschäftigtengruppen. Ein guter Erfolg ist die Höhergruppierung der Hebammen. Diese hatten sich im Sana-Konzern sehr gut organisiert und konnten ihr Anliegen auch selbst vor der Verhandlungskommission vortragen. Ziel war es, den gestiegenen Anforderungen an das Berufsbild endlich finanziell Rechnung zu tragen.
Entscheidend in dieser Tarifrunde war in qualitativer Hinsicht die Abwehr des Angriffs auf die Wechselschichtzulage. Auch diese Zulage war erkämpft worden. Sie honoriert, dass Beschäftigte in jedem Monat im Dreischichtsystem arbeiten und bietet Ausgleiche dafür. In diesem Punkt war die Tarifkommission ganz klar. Bei anderen Themen kamen die Unterschiede zwischen den Kliniken und auch verschiedene Auffassungen zum Tragen. Die Organisationsgrade in den Häusern sind außer in Lichtenberg eher gering. Entsprechend hat Lichtenberg insgesamt fünf Tage gestreikt, die anderen an einem Tag. Trotz hoher erklärter Streikbereitschaft blieb aber auch in Lichtenberg die Streikbeteiligung hinter den Erwartungen zurück. Ganze Bereiche beteiligten sich nur durch vereinzelte Streikende. Mehrere Faktoren können hierbei eine Rolle gespielt haben. Dazu gehören der mäßige Abschluss 2024 und die Blockade der Tarifkommission gegenüber dem Wunsch nach einer Kampagne für einen Entlastungstarifvertrag. Hinzu kommt ein Bonusmodell für geleistete Spät-, Nacht- und Wochenenddienste, das es seit dem vergangenen Jahr in Lichtenberg gibt. Außerdem hat die nach Ansicht vieler zu geringe Lohnforderung von 8,6 Prozent nur wenig mobilisierend gewirkt.
Im Laufe des April wird über das Verhandlungsergebnis abgestimmt. Mit einer Annahme bei vielen Gegenstimmen ist zu rechnen. Klar ist, hier wurden einige Kröten geschluckt. Aber die Tarifkommission ist in vielen Punkten hartnäckig geblieben und war bei diesen Themen durch den Druck der Beschäftigten auch erfolgreich.









